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Treiber und Verknüpfungsmöglichkeiten für mehr Multimodalität

Erstellt am: 19.05.2015 | Stand des Wissens: 13.01.2021
Synthesebericht gehört zu:

Datenplattformen bieten eine große Chance für den Inter- und Multimodalen Personenverkehr. Der hierfür notwendige Verbund der einzelnen und verschiedenen Mobilitätsdatenplattformen stellt jedoch eine Herausforderung dar. Aktuell existiert eine Vielzahl elektronischer Fahrplaninformations-, Auskunfts- und Ticketsysteme. Das liegt an zeitgleichen und unabgestimmten Bemühungen einzelner Akteure der vernetzten Mobilität , deren Daten und Dienste heterogen sind. Die Entwicklung von standardisierten Schnittstellen ist dringend notwendig, um Transparenz zu schaffen und den Zugang zu erleichtern (vgl. Stopka15, S. 9).

Die Digitale Agenda und die Strategie Intelligente Vernetzung der Bundesregierung unterstreichen ausdrücklich, dass die Digitalisierung und die Verknüpfung von Systemwelten, wie beispielsweise der Fahrplaninformation und des Fahrscheinerwerbs, auf Basis von einheitlichen Standards realisiert werden müssen. [DVOV20, DVOV20a, BMVI16g, S. 11]

Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang das Projekt DELFI (Durchgängige ELektronische FahrgastInformation), das von verschiedenen Partnern (vor allem den Bundesländern und der Deutschen Bahn) getragen und vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur unterstützt wird. Zur Strategie DELFI 2020 gehören (vgl. [DELF18]):
  • Betrieb einer konsistenten, aktuellen, exakten, umfassenden, neutralen und performanten Fahrgastinformation für ganz Deutschland,
  • funktionale Erweiterung, vor allem in den Bereichen Echtzeit und Barrierefreiheit,
  • effiziente Integration der Fahrgastinformation in die Wertschöpfungskette als Wegbereiter für Tarif und Ticketing,
  • diskriminierungsfreie Öffnung von Daten und Diensten auch für Dritte,
  • engere Zusammenarbeit von Verkehrsunternehmen und -verbünden zur Optimierung von Prozessen und Daten sowie
  • Einbettung von DELFI in die internationale IVS-Architektur für intelligente Transportsysteme.
Damit verbunden ist das Projekt EU-Spirit, bei dem es um die Entwicklung eines europäischen Reiseinformationsnetzwerks geht. Zurzeit sind damit Auskünfte des Öffentlichen Verkehrs für Deutschland, Dänemark, Frankreich, Polen, Schweden und Luxemburg möglich (vgl. [DELF12]).
Das Förderprogramm eTicketing und digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr (ÖPV) unterstützt Vorhaben zur überregionalen und länderübergreifende Vernetzung sowohl von Fahrgastinformationssystemen als auch von elektronischem Ticketing. Die Schaffung eines Standards für elektronische Zahlungskarten und Tickets ist in Deutschland bereits fortgeschritten. Im März 2018 verwendeten deutschlandweit 400 Unternehmen des Öffentlichen Personennahverkehrs den offenen Standard ((eTicket (vgl. [JANS18], S. 10). Beispiele dafür sind das eTicket Rhein-Main, sowie die polygoCard Stuttgart und die PlusCard Münster. Mit der FAIRTIQ-App lassen sich Fahrscheine in ausgewählten Städten und in einigen Verkehrsverbünden von Deutschland und Österreich sowie in der gesamten Schweiz immer zum günstigsten Preis unabhängig von der Fahrtenhäufigkeit, der Zielwahl und auch ohne Auseinandersetzung mit dem Tarifsystem erwerben. Es ist ausreichend, bei Einstieg in das Fahrzeug die Fahrt in der App zu starten und an der Zielhaltestelle - gegebenenfalls mit Erinnerungsfunktion - die Fahrt in der App wieder zu beenden. [FAIR20]
Ferner nimmt die Bedeutung von Mobilitätsinformationen und -plattformen zur Nutzung und Vernetzung öffentlicher und kommerzieller Mobilitätsangebote in den letzten Jahren, vor allem durch die steigende Zahl multimodaler Mobilitäts-Apps, zu. "Sie ermöglichen [,] das umfassende multimodale Verkehrsangebot einer Stadt übersichtlich und vergleichbar darzustellen und erleichtern dadurch eine verknüpfte Mobilität mit verschiedenen Verkehrsträgern und verschiedenen Anbietern" ([FoPS15, S. 1; vgl. FoPS15/16, S. 2 f.).]
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Vernetzte Mobilität im Personenverkehr (Stand des Wissens: 07.06.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?447113
Literatur
[AhKlWi14] Ahrens, G.-A., Klotzsch, J., Wittwer, R. Autos nutzen statt besitzen. Treiber des multimodalen Verkehrsverbundes, veröffentlicht in ZfAW - Zeitschrift für die gesamte Wertschöpfungskette Automobilwirtschaft, Ausgabe/Auflage 2/2014, 17. Jahrgang, FAW-Verlag, Bamberg, 2014, ISBN/ISSN 1434-1808
[BMVI15s] Digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr, 2015
[BMVI16g] Bundesministerium für Digitales und Verkehr, Akteure des Dialog- und Stakeholderprozesses im Rahmen der Initiative Digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr (Hrsg.) Roadmap: Digitale Vernetzung im öffentlichen Personenverkehr, 2016/07
[Bock15] Bock, B. Berlin weiter an der Spitze: Aktuelle Zahlen zum Free-Floating-Carsharing in ausgewählten Städten, 2015/02/27
[DELF12] Deutsche Bahn AG Konzern, Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH DELFI: Durchgängige ELektronische FahrgastInformation, 2012
[DVOV20] Akteure des Dialog- und Stakeholderprozesses im Rahmen der Initiative "Digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr" (Hrsg.) Digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr - Roadmap 2.0 (Langfassung), 2020/12
[DVOV20a] Akteure des Dialog- und Stakeholderprozesses im Rahmen der Initiative Digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr (Hrsg.) Digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr - Vernetzungsleitfaden, 2020/12/10
[FAIR20] FAIRTIQ (Hrsg.) The easiest public transport ticket across Switzerland, 2020
[FoPS15] Bundesministerium für Digitales und Verkehr, Referat G 11, Grundsatzfragen der Forschung, Entwicklung, Forschungsförderung Multimodale Mobilitäts-Apps - Analyse von Anwendung und Wirkung in Hinblick auf multimodales Verkehrsverhalten, 2015
[FoPS15/16] Bundesministerium für Digitales und Verkehr, Referat G 11, Grundsatzfragen der Forschung, Entwicklung, Forschungsförderung Aufstellung des Forschungsprogramms zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Gemeinden (FoPS 2015/2016), Bonn, 2014/06/12
[FoPS15b] Bundesministerium für Digitales und Verkehr, Referat G 11, Grundsatzfragen der Forschung, Entwicklung, Forschungsförderung Multimodalität in Städten und Regionen - Angebot und Nachfrage, 2015
[JANS18] Janssen Zum Stand des (((eTicket Deutschland, veröffentlicht in Der Nahverkehr , Ausgabe/Auflage 3/2018, 2018/03
[Sch14] Schott, V. Junge Leute - Abwendung vom Auto?, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 3/2014, 66. Jahrgang, DVV Media Group GmbH, Hamburg, 2014/09, ISBN/ISSN 0020-9511
[Stopka15] TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka, Stopka, U. Sharing Economy und kollaborative Mobilität, veröffentlicht in Mobilität und Kommunikation. Öffentlicher und Individualverkehr - wie finden sie zusammen?, Dresden, 2015/01/29
Weiterführende Literatur
[UBA22t] Alternativen zum privaten Auto - was es dazu braucht, 2022/12/02
[BMVI20m] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Passauer Erklärung (Übersetzung), 2020/10/29
[BrFrWe14] Brockmeyer, F., Frohwerk, S., Weigele, S. Urbane Mobilität im Umbruch?, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 3/2014, 66. Jahrgang, DVV Media Group GmbH, Hamburg, 2014/09, ISBN/ISSN 0020-9511
[Witt14] Wittwer, R. Zwangsmobilität und Verkehrsmittelorientierung junger Erwachsener: Eine Typologisierung, veröffentlicht in Schriftenreihe des Instituts für Verkehrsplanung und Straßenverkehr, Ausgabe/Auflage Heft 16/2014, Dresden, 2014/12, ISBN/ISSN 1432-550
Glossar
Barrierefreiheit
Barrierefreiheit bedeutet, dass bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche für Menschen mit Behinderung in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.
App
Ist eine Abkürzung für den Fachbegriff Applikation (App) und bezeichnet eine Anwendungssoftware, die für mobile Endgeräte, wie Smartphone oder Tablet-PC entwickelt wurde. Apps können als Zusatzsoftware auf mobilen Endgeräten installiert werden und erweitern dadurch deren Funktionsumfang. Je nach Betriebssystem kann der Nutzer auf eine Vielzahl von mobilen Applikationen auf dem vom Betriebssystem bereitgestellten Marktplatz kostenpflichtig oder kostenlos zugreifen.
ITS Intelligent Transportation Systems (ITS) ist der Oberbegriff für Transportsysteme, die Informations- und Kommunikationstechnologie zur Unterstützung des Betriebes einsetzen. ITS-Funktionen unterstützen den Fahrer eines Transportmittels, sie sind damit deutlich von automatischen Transportsystemen zu differenzieren, die auf einen fahrerlosen Betrieb abstellen. Die wichtigsten neuen und zum Teil noch in Entwicklung befindlichen Anwendungsfelder zielen auf (1) Verkehrs- und Transportmanagement (Verkehrsinformationen, Verkehrslenkung, Verkehrs- und Parkleitsysteme, automatische Unfallmeldungen, Meldesysteme zum Gefahrgutmonitoring); (2) Elektronische Systeme zur Gebührenerhebung; (3) Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (dynamische Fahrgastinformationen, Reservierung, spezifische Informationssysteme für Fahrradfahrer und Fußgänger, Steuerung individueller öffentlicher Verkehrsmittel); (4) Systeme zur Unterstützung der Fahrzeugsicherheit (Kollisionsdetektoren, Sektorisierung von Verkehrswegen).
Öffentlicher Personennahverkehr
Der öffentliche Personennahverkehr ist juristisch im Personenbeförderungsgesetz (PBefG) definiert. Laut Paragraf 8, Absatz 1 und 2 umfasst der ÖPNV "die allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Straßenbahnen, Obussen und Kraftfahrzeugen im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen". Taxen oder Mietwagen können dieses Angebot ersetzten, ergänzen oder verdichten.
Der Begriff ÖPNV bezieht sich in der Regel auf Strecken mit einer gesamten Reiseweite von weniger als 50 Kilometern oder einer gesamten Reisezeit von weniger als einer Stunde. Das in einer Stadt oder Region erforderliche Nahverkehrsangebot und dessen Eignung hinsichtlich Nachhaltigkeit und Klimaschutz wird in einem Nahverkehrsplan definiert und festgehalten.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?447066

Gedruckt am Samstag, 25. Mai 2024 06:15:54