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Interessen der Verlader an der Entwicklung des Containerverkehrs

Erstellt am: 14.04.2003 | Stand des Wissens: 20.10.2023
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Verlader im internationalen Containerverkehr sind überwiegend große Speditionsunternehmen, welche im Auftrag von Unternehmen aus Industrie und Handel (Urverlader) Containertransporte organisieren sowie verschiedenste Logistikdienstleistungen anbieten und die Schiffspassage bei Reedereien buchen. In Abbildung 1 werden die 4 größten Seefrachtspeditionen weltweit gemessen an Transportmenge in TEU im Jahr 2019 dargestellt. 
Top 4 Seefrachtspeditionen.pngAbbildung 1: Größte Seefrachtspeditionsunternehmen weltweit gemessen an Transportmenge 2019 in Mio. TEU (eigene Darstellung nach [DHL21])
Hauptinteresse der Seefrachtspediteure und Urverlader an der Entwicklung des Containerverkehrs sind niedrige und konstante Frachtraten. Probleme sehen die Verlader vor allem in starken Schwankungen der Raten und in Surcharges (Frachtzuschlägen), die zu versteckten Preiserhöhungen führen. Auch die Weitergabe von Terminal Handling Charges muss aus Verladersicht transparent gestaltet werden.
Um die stark belasteten, straßenseitigen Hinterlandanbindungen der Containerhäfen zu entlasten und günstigere Transportmöglichkeiten anzubieten, wird die vermehrte Nutzung des Verkehrsträgers Binnenschiff diskutiert. Die CO2-Emission könnte ebenfalls durch diese Alternative zu Lkw-Transporten deutlich gesenkt werden, da ein Großmotorschiff mit einer Tragleistung von 3.000 Tonnen etwa 150 Lkw ersetzen könnte.  Um die wirtschaftliche Attraktivität der Binnenschifffahrt zu steigern, beschloss das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur die Abschaffung der Befahrensabgabe zum 01. Januar 2019. Mit dieser Maßnahme sollte die gewerbliche Güterschifffahrt um circa 45 Millionen Euro entlastet werden [BMVI19]. Weiterhin soll der, vom Verkehrsminister Andreas Scheuer am 14.05.2019 vorgestellte, Masterplan Binnenschifffahrt diesen Sektor zukunftsfähig machen und dessen Modernisierung vorantreiben. Fünf wesentliche Punkte stehen dabei im Vordergrund:
  • Verbesserung der Infrastruktur durch Investitionen in die finanziellen, strukturellen und personellen Kapazitäten
  • Eine umweltfreundliche Flottenstruktur zu erschaffen
  • Vorantreiben der Digitalisierung durch Vernetzung der Häfen und Automatisierung der Umschlagplätze
  • Den Anteil der Verkehrsleistung der Binnenschifffahrt im Modal Split auf 12 Prozent zu erhöhen
  • Nachwuchsgewinnung und Ausbildung von Fachkräften zu unterstützen
Für den Hamburger Hafen würde es die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, da neue Märkte durch erhöhte Binnenfrachtschifffahrt erschlossen werden könnten. Um es Frachtschiffen zu ermöglichen, Ladung von Hamburg nach Ostdeutschland zu transportieren, muss das Fahrwasser eine bestimmte Mindesttiefe aufweisen, die jedoch in der Vergangenheit nicht regelmäßig gewährleistet werden konnte und dementsprechend künstlich hergestellt werden müsste. Umweltverbände und Naturschützer protestieren gegen weitere Ausbaumaßnahmen der Elbe und ihres Seitenkanals, da die Landschaft zerstört und die Wahrscheinlichkeit für Hochwasser durch eine Begradigung des Flussbettes steigen würde [NDR18c].
Als Interessenvertretung der Auftrag gebende ex- und importierenden Industrie (Urverlader) fungiert das 1951 gegründete Deutsche Seeverladerkomitee (DSVK) als Gremium des BDI-Verkehrsausschusses (Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.). Das DSVK umfasst Unternehmen, die ihre Güter auf dem Seeweg und den Binnenwasserstraßen transportieren und dient als Ansprechpartner für Politik, Ministerien und Verwaltung, maritime Wirtschaft, Reeder, Häfen und Transporteure. Das DSVK setzt sich für folgende Interessen der Urverlader ein:
  • Das Nationale Hafenkonzept für die See- und Binnenhäfen zügig umsetzen.
  • Seewärtige Zufahrten und Hafenhinterlandanbindungen gezielt und rasch ausbauen.
  • Kapazitätsengpässe in den Häfen beseitigen.
  • Konzeptionelle Vernetzung von See- und Binnenhäfen verbessern.
  • Binnenwasserstraßen anpassen.
  • Wettbewerb in und zwischen den deutschen und europäischen Häfen stärken.
  • Kostentransparenz bei Gebühren und Zuschlagsarten verbessern.
  • Innovative Technologien für effiziente Logistik fördern und einsetzen.
  • Regelungen zu Schiffsemissionen Emissionsgrenzwerte, Abgaben und klimapolitische Anforderungen international abstimmen.
  • Sicherheitsstandards für die Lieferkette international vereinheitlichen [BDI17].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Entwicklungen der Containerschifffahrt (Stand des Wissens: 20.10.2023)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?38577
Literatur
[BDI17] Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (Hrsg.) Das Deutsche Seeverladerkomitee im BDI, 2017/09/15
[BMVI19] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Befahrensabgabe für Binnenschifffahrt zum 1. Januar 2019 abgeschafft, 2019/01/09
[BMVI19e] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) BMVI stellt Masterplan Binnenschifffahrt vor, 2019/05/14
[DHL21] Deutsche Post DHL Group (Hrsg.) Deutsche Post DHL - Geschäftsbericht 2020, 2021/03/09
[NDR18c] Norddeutscher Rundfunk (Hrsg.) Was Sie über die Elbvertiefung wissen sollten, 2018/08/31
Weiterführende Literatur
[Clas00] Clasen, Peter Schiffahrt und Verlader: Beziehungen im Wandel?, veröffentlicht in Weltseeverkehr vor der Jahrtausenwende, 7. Kieler Seminar zu aktuellen Problemen der See- und Küstenschiffahrt, Schriftenreihe der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft B 227, Ausgabe/Auflage B 227, Bergisch Gladbach, 2000, ISBN/ISSN 3-933392-27-6
Glossar
Twenty-foot equivalent unit Zwanzig-Fuß-Äquivalente-Einheit (Twenty-foot Equivalent Unit). Eine statistische Hilfsgröße auf der Basis eines 20-Fuß-ISO-Containers (6,10 m Länge) zur Beschreibung von Verkehrsströmen oder -kapazitäten. Ein genormter 40'-ISO-Container der Reihe 1 entspricht 2 TEUs.
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Verlader Der Verlader ist derjenige Teilnehmer in der Transportkette, der die Ladung/Transportgut erstmals aufgibt. Unter einem Verlader versteht man ein Unternehmen, das Logistikdienstleistungen (Transport, Verladen etc.) bei einem Logistikdienstleister in Auftrag gibt.
CO
= Kohlenstoffmonoxid. CO ist eine chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff und gehört damit neben Kohlenstoffdioxid zur Gruppe der Kohlenstoffoxide. Es ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas. Kohlenstoffmonoxid beeinträchtigt die Sauerstoffaufnahme von Menschen und Tieren. Schon kleine Mengen dieses Atemgiftes haben Auswirkungen auf das Zentralnervensystem.
Es entsteht bei der unvollständigen Oxidation von kohlenstoffhaltigen Substanzen. Dies erfolgt zum Beispiel beim Verbrennen dieser Stoffe, wenn nicht genügend Sauerstoff zur Verfügung steht oder die Verbrennung bei hohen Temperaturen stattfindet. Kohlenstoffmonoxid selbst ist brennbar und verbrennt mit Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid. Hauptquelle für die CO-Belastung der Luft ist der Kfz-Verkehr.
Modal Split
Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die prozentuale Verteilung des Personen- und Güterverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel (Modi) genannt. Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen, insbesondere der verkehrlichen Entscheidungen von Unternehmen.
Verkehrsleistung
Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter oder Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] oder Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.
Transporteur Transporteure (auch Frachtführer genannt) führen den physischen Transport aus.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?40995

Gedruckt am Freitag, 12. Juli 2024 12:16:17