Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Wirtschaftlichkeit als Qualitätsindikator im Luftverkehr

Erstellt am: 23.02.2008 | Stand des Wissens: 29.11.2018
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Wirtschaftlichkeit beschreibt im Allgemeinen das Verhältnis zwischen dem erreichten Ertrag und dem dafür notwendigen Aufwand und ist ein allgemeines Maß für die Effizienz. In Bezug auf den Luftverkehr ist eine entsprechende Auslastung der Flughäfen und der Flüge das Ziel einer positiven Bilanz und wird sowohl bei den Betreibern der Flughäfen als auch bei den Fluggesellschaften verfolgt. Unter dem Aspekt eines Qualitätsindikators sind für die Wirtschaftlichkeit im Luftverkehr Faktoren wie Verspätungen, Effizienz innerhalb der Flugplanung sowie Kosteneffizienz relevant [PRR13a].
Grundsätzlich kann angenommen werden, dass zwischen Wirtschaftlichkeit und Qualität ein positiver Zusammenhang besteht. Empirisch lässt sich nachweisen, dass Qualität den Marktanteil erhöht und ein direktes Kosteneinsparungspotenzial durch Qualität besteht. In Bezug auf die Kosten ergibt sich aus Sicht des Herstellers ein negativer Zusammenhang zwischen Qualität und Kosten, während nach dem Produkt-basierten Ansatz nach Garvin ein positiver Zusammenhang besteht. Können die Kunden Qualität anhand des Preises beurteilen, besteht ein eher positives Verhältnis bei Qualität und Preis [Deiß06].

Um ein Luftverkehrsunternehmen wirtschaftlich betreiben zu können und Vorteile gegenüber der Konkurrenz erzielen zu können, werden Wettbewerbsstrategien entwickelt und angewandt. Für eine Fluggesellschafte, die als klassische Luftverkehrsgesellschaft (Full-Service Carrier) - im Vergleich zu Billigfluggesellschaft (Low-Cost Carrier) - operiert, bedeutet dies im Hinblick auf einen leistungsorientierten und globalen Wettbewerb die Notwendigkeit einer weltweiten Omnipräsenz und Erreichbarkeit an den zentralen Flughäfen [Halm06]. Zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit finden im Luftverkehr auch Methoden des Yield- und Netzmanagements Anwendung.
Ein breitgefächertes Streckennetz und das Kooperieren in Allianzen kann den Wettbewerbsvorteil erhöhen und ist zahlungskräftigen Geschäftskunden bewusst. Aufgrund zunehmend unterschiedlicher Anforderungen und der wechselnden Bereitschaft der Kunden für Service und Produkte auch mehr zahlen zu wollen, liegt ein weiterer Wettbewerbsvorteil in der Individualisierung der Produkte und Dienstleistungen. Die freie Zeit wird bei vielen Kunden zu einem knappen Gut, sodass der Komfort (im Englischen wird von "Convenience" gesprochen) ein sehr wichtiger Wettbewerbsvorteil der klassischen Luftverkehrsgesellschaft sein kann [Pohl06, S. 41].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Merkmale des Luftverkehrs (Stand des Wissens: 27.02.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?249783
Literatur
[Deiß06] Florian Deißenböck David A. Garvins: What Does "Product Quality" Really Mean?, 2006
[Halm06] Katrin Halm Die neue Ordnung am europäischen Himmel: Eine Analyse des Markteintritts der Low-Cost-Carrier in den europäischen Luftverkehrsmarkt, veröffentlicht in Jenaer Beiträge zur Wirtschaftsforschung, Ausgabe/Auflage No. 2006,5, 2006, ISBN/ISSN 3939046051
[Pohl06] Steffen Pohlmann Strategische Herausforderungen für Passagierfluggesellschaften - Aufbau von Wettbewerbsvorteilen in einem veränderten Marktumfeld, GRIN Verlag, 2006
[PRR13a] Performance Review Commission Performance Review Report 2013, Performance Review Unit EUROCONTROL 96 Rue de la Fusée B-1130 Brussels, Belgium, 2013
Weiterführende Literatur
[SchGo04] Gordon Paul Schenk Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Markt im Luftverkehr, 2004
[Euroc12] Performance Review Commission Performance Review Report (PRR) - An Assessment of Air Traffic Management in Europe during the Calendar Year 2011, 2012/5
Glossar
Luftverkehrsgesellschaft Luftverkehrsgesellschaften sind Unternehmen, die Personen und Sachen durch Flugzeuge gewerbsmäßig befördern. Sie bedürfen der Genehmigung, deren Erwerb und Erhaltung im Luftverkehrsgesetz (LuftVG) und in den EASA Air Operations (Air OPS) geregelt ist.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?253117

Gedruckt am Samstag, 22. Juni 2024 04:58:17