Fährverkehr in der Ostsee
Erstellt am: 27.07.2007 | Stand des Wissens: 08.11.2024
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechperson
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Die Ostsee wird von einem dichten Netz von über 100 Fähr- und Ro-Ro-Linien befahren. Die Grenzen zwischen Fähr- und Ro-Ro-Verkehr sind oft fließend. Die Einsatzkonzepte und die angebotenen Leistungen unterscheiden sich in Abhängigkeit von der Routenlänge und der Nachfragestruktur. Auf kurzen Strecken (allgemein im ostseequerenden Verkehr) operieren nahezu ausschließlich Fährlinien, die Güter- und Passagierverkehr anbieten. Die in der Vergangenheit starke Fokussierung auf den Passagierverkehr hat mit Einstellung des Duty-Free-Verkaufs an Bord und dem zunehmenden Wettbewerb durch feste Querungen und Billigfluglinien einer stärkeren Zuwendung zum wachsenden Güterverkehr Platz gemacht. Die Fahrplangestaltung orientiert sich an den Bedürfnissen der Kunden, die sowohl im Passage- als auch im Frachtbereich besonders Tagesrandabfahrten nachfragen. Auf den stärker frequentierten Routen wird ein fester Taktfahrplan angestrebt.
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Die Fährschifffahrt befördert in der Ostsee jährlich über 100 Millionen internationale Fährreisende mit mehr als 9 Millionen Kfz [IHKSH24]. Es handelt sich vor allem um Urlauber. Die angebotenen Leistungen reichen von der einfachen Überfahrt bis zur Minikreuzfahrt. Ein weiteres Segment ist der Einkaufstourismus. Auch nach Wegfall der Duty-Free-Verkäufe im Jahre 2000 gibt es Preisunterschiede, die Einkaufsfahrten auf kurzen Routen (beispielsweise RodbyPuttgarden, GedserRostock, HelsinkiTallinn) attraktiv machen [Brei06a, S. 21]. Die Beförderungsleistungen steigen insgesamt nur geringfügig, mit Differenzierungen zwischen den Relationen und Schwankungen in einzelnen Jahren. Die Bordumsätze (Catering, Shops) als dritte wichtige Einnahmequelle der Fährreedereien hängen wesentlich von den Passagierzahlen ab. In den letzten Jahren kamen eine Reihe schneller und zum Teil hochwertig ausgestatteter Fährschiffe mit zugleich größerer Kapazität für Ladung in Fahrt beziehungsweise wurden bestellt. Sie sollen vor allem auf langen und mittleren Strecken zum Einsatz kommen und besser der veränderten Nachfragestruktur gerecht werden [Hans06; DVWG04b ].