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Fluglärmdeskriptoren

Erstellt am: 26.08.2004 | Stand des Wissens: 23.02.2024
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.

Fluglärmdeskriptoren werden in der Forschung zur Quantifizierung von Fluglärm verwendet. Diese müssen einerseits auf physikalisch mess- und berechenbaren, akustischen Kennwerten beruhen und andererseits die physiologischen und psychologischen Lärmwirkungen auf den Menschen in geeigneter Weise beschreiben. Wissenschaftlich fundierte Fluglärmdeskriptoren bilden die Grundlage für Lärmschutzgesetzgebung und Flughafenplanung. Die einem speziellen Deskriptor zugeordneten Grenzwerte werden vom Gesetzgeber festgelegt.

In einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zur Verlängerung der Start- und Landebahn am Flughafen Frankfurt-Hahn [DLR03e] ist ein lärmphysikalisches Gutachten für das Planfeststellungsverfahren zum Ausbau enthalten. Als Deskriptoren für die zu erwartende Lärmbelastung wurden neben dem energieäquivalenten Dauerschallpegel für den Tag auch drei Schwellenwertkriterien für die Nacht ermittelt und durch Isolinien dargestellt:
  • Der äquvalente Dauerschallpegel Leq(3),Tag ist nach ISO 3891 festgelegt und geht von der bewerteten Gesamtschallenergie aus, die während eines bestimmten Bezugzeitraums am Immissionsort einfällt,
  • Der Tag-Nacht gemittelte Schallpegel Day-Night Average Sound Level ist derzeit das weltweit am häufigsten verwendete Fluglärmbewertungsmaß. Es wird aus dem energieäquivalenten Dauerschallpegel abgeleitet, indem die nächtlichen Flugbewegungen mit dem Faktor 10 gewichtet werden (Leq(3),Nacht),
  • Als weitere Fluglärmdeskriptoren werden drei Number Above Threshold (NAT) beziehungsweise Schwellwertkriterien untersucht.
Abbildung 1: Kurven für 55, 60, 62, 65, 70 und 75 Dezibel nach der Sigma-Regelung (Bildung einer Einhüllenden aus Teilkonturen) [DLR03e]
Glossar
Ansprechpartner
IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Maßnahmen zum Schutz vor Fluglärm und Lärmminderung (Stand des Wissens: 13.12.2016)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?97653
Literatur
[DLR03e] k.A. Verlängerung der Start- und Landebahn C4 Technisches Lärmgutachten - Fluglärm, 2003/07/01
Glossar
dB(A) Messgröße des A-bewerteten Schalldruckpegels zur Bestimmung von Geräuschpegeln. Die dB-Skala ist logarithmisch aufgebaut, d. h. eine Verdoppelung der Lärmintensität führt zu einer Erhöhung um 3 dB. Das menschliche Ohr empfindet eine Erhöhung um 10 dB als Verdoppelung der Lautstärke. Hierzu ist eine Schallintensitätsverzehnfachung erforderlich. Der Zusatz "(A)" gibt an, dass dem betreffenden Messergebnis die standardisierte A-Berwertungskurve zugrunde liegt. Sie berücksichtigt einen nichtlinearen frequenz- und pegelabhängigen Zusammenhang zwischen subjektiv wahrgenommenem Läutstärkepegel und vorliegendem Schalldruckpegel. So empfindet das menschliche Gehör bspw. mittlere Frequenzen im Vergleich zu niedrigen Frequenzgängen als wesentlich lauter, weshalb die Einheit dB(A) entsprechende Tonhöhen stärker gewichtet. Ein gesundes Ohr kann bereits einen Schalldruck von 0 dB (A) wahrnehmen (Hörschwelle), bei Werten über 120 dB (A) wird die Geräuschbelastung unerträglich laut (Schmerzgrenze). Eine Langzeiteinwirkung von über 85 dB(A) zieht u. U. dauerhafte Gehörschäden nach sich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?102520

Gedruckt am Sonntag, 16. Juni 2024 01:30:21