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Akteurinnen und Akteure der Verkehrsaufklärung und Verkehrserziehung

Erstellt am: 16.09.2022 | Stand des Wissens: 27.02.2025

Synthesebericht gehört zu:

Edukative Verkehrssicherheitsmaßnahmen werden häufiger in Maßnahmen der Verkehrsaufklärung sowie der Verkehrserziehung unterteilt. Die Verkehrserziehung hat die Beseitigung individueller Defizite im verkehrssicherheitsrelevanten Wissen zum Ziel. Sie soll Informationen über Gefahren, Verkehrsregeln und die Folgen von Verstößen vermitteln, wobei häufig an das Verantwortungsbewusstsein der Verkehrsteilnehmenden appelliert wird. Verkehrserziehung bezeichnet alle Maßnahmen der verkehrspädagogischen Einflussnahme, insbesondere auf Kinder und Jugendliche, die gezielt ein sicheres Verhalten im Straßenverkehr fördern sollen [Funk06b]. Beide Konzepte sind Teil der Verkehrssicherheitsarbeit und sollen langfristig das Unfallrisiko senken und zu sicherem Verhalten beitragen.
Verkehrserziehung und Verkehrsaufklärung sollen nach Auffassung des DVR die Menschen ein Leben lang begleiten [BeKe12, S. 26] und sind eine wesentliche Säule der sogenannten drei E [GdP24]:
  • Education als Verkehrsaufklärung und Verkehrserziehung
  • Engineering als die verkehrsplanerische oder bauliche Beseitigung von Gefahrenstellen und Unfall-Brennpunkten, -Strecken sowie -Flächen
  • Enforcement als gesetzgeberische sowie polizeiliche Maßnahmen
Das Bundesverkehrsministerium fordert in seinen Verkehrssicherheitsprogrammen alle Verkehrssicherheitsakteurinnen und -akteure auf, eigene Maßnahmen und Selbstverpflichtungen zu initiieren, da diese Teil einer erfolgreichen Umsetzung sind [BMDV21ca, S. 42]. Dennoch gibt es einige relevante Akteurinnen und Akteure, die sich durch ihre Arbeit hervorheben und hier aufgeführt werden.
Da sich die Fähigkeiten zur sicheren Verkehrsteilnahme im Kindes- und Jugendalter entwickeln, ist die Erziehung in diesem Alter besonders wichtig [Gehl11, S. 237]. Damit gelten Eltern als wichtige Akteure in der Verkehrserziehung und nehmen eine Schlüsselrolle bei der frühzeitigen Prägung verkehrssicherer Verhaltensweisen ein. Sie fungieren als Vorbilder, um ihren Kindern grundlegende Verkehrsregeln zu vermitteln. Durch regelmäßiges Üben und Verstärken richtiger Verhaltensweisen, wie z. B. das sichere Überqueren der Straße oder das Tragen eines Fahrradhelms, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit. Ihr Einfluss ist in den ersten Lebensjahren, in denen die Kinder ihre ersten Verkehrserfahrungen sammeln, besonders groß.
Auch Kindergärten und Schulen nehmen eine wichtige Schlüsselrolle ein. Die staatliche Verkehrserziehung beginnt im Kindergarten. Weiterführend ist sie Bestandteil der schulischen Rahmenlehrpläne, wird aber in den Ländern unterschiedlich umgesetzt [TUB21a, S. 30]. Die Bandbreite reicht von einem Minimalprogramm (Behandlung einzelner Themen im Unterricht und Radfahrausbildung durch die Polizei in der Jugendverkehrsschule) bis hin zu einer intensiven verkehrspädagogischen Arbeit in allen Grundschulklassen mit Elternarbeit, Projekttagen, Projektwochen etc. [Limb02].
Ziel bei allen verkehrserzieherischen Maßnahmen ist es, die selbstständige Mobilität der Kinder zu fördern und somit einen Beitrag zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu leisten. Darüber hinaus sollen die Kinder befähigt werden, ihre soziale Rolle im Verkehr selbstständig und kompetent wahrzunehmen [KLBD72].
In Deutschland unterstützen verschiedene Institutionen die Verkehrssicherheitsarbeit:
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) engagiert sich aktiv in der Verkehrssicherheitsaufklärung, indem er Programme und Kampagnen initiiert, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten. Der DVR entwickelt Informationsmaterialien, fördert Präventionsmaßnahmen und kooperiert mit Schulen, Institutionen und der Polizei, um das Bewusstsein für Verkehrssicherheit zu schärfen. Darüber hinaus engagiert er sich in der Unfallverhütungsforschung und bietet Unterstützung bei der Umsetzung von Verkehrssicherheitsstrategien. [DVR24]
Die Deutsche Verkehrswacht (DVW) engagiert sich mit verschiedenen Programmen und Initiativen intensiv in der Verkehrssicherheitsaufklärung. Sie bietet Informationsmaterialien, Schulungen und Veranstaltungen an, um die Verkehrssicherheit zu fördern und insbesondere Kinder und Jugendliche für sicheres Verhalten im Straßenverkehr zu sensibilisieren. Darüber hinaus organisiert sie Schülerlotsendienste und kooperiert mit Schulen und anderen Institutionen, um die Verkehrserziehung zu stärken. [DVR24b]
Forschungseinrichtungen wie die Bundesanstalt für Straßenwesen (BaSt) als Ressortforschungseinrichtung des BMDV, die Unfallforschung der Versicherer (UDV) und Hochschulen tragen mit ihren Forschungsergebnissen zur Unfallvermeidung und -verhütung zur Verkehrserziehung bei [Gehl11, S. 236].
Unterstützend wirkt auch die Polizei im Rahmen von Kampagnen und Programmen zur Verkehrserziehung [BMDV21ca, S. 56]. Eine weitere Verantwortung liegt bei den Fahrschulen im Rahmen der Fahrausbildung zur Vermittlung der Straßenverkehrsordnung (StVO). Seit einiger Zeit agieren auch InfluencerInnen bei der Konzeption von Verkehrssicherheitskampagnen mit, um auch ein jüngeres Publikum zu erreichen [BMDV21ca, S. 60f].
In Kooperation zwischen dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) und den Unfallkassen und Berufsgenossenschaften der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) wurde die Kampagne German Road Safety ins Leben gerufen. Ziel ist es vor allem, dass auch Geflüchtete die wichtigsten Verkehrszeichen kennen, elementare Verkehrsregeln anwenden und sich so sicherer auf Straßen, Rad- und Fußwegen bewegen können. Letztlich richtet sich das Projekt an alle Menschen, die im deutschen Straßenverkehr mobil sein wollen - Einheimische wie Zugewanderte [DVR24c].
Ansprechperson
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Vision Zero als strategisches Ziel der Verkehrssicherheit: Herausforderungen Mensch und Gesellschaft (Stand des Wissens: 27.02.2025)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?579780
Literatur
[BeKe12] Bergmeier, Andreas, Christan Kellner, Detlev Lipphard Strategie der DVR-Verkehrssicherheitsarbeit bis 2020, veröffentlicht in Schriftenreihe Verkehrssicherheit, Ausgabe/Auflage 16, DVR, Bonn, 2012, Online-Referenz https://www.dvr.de/publikationen/schriftenreihe-16-vision-zero-grundlagen-strategien
[BMDV21ca] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Bericht der Bundesregierung über Maßnahmen auf dem Gebiet der Unfallverhütung im Straßenverkehr 2018 und 2019 (Unfallverhütungsbericht 2018/2019), 2021/01/14, Online-Referenz https://dserver.bundestag.de/btd/19/261/1926135.pdf, ISBN/ISSN 0722-8333
[DVR24] Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) e. V., German Road Safety Council, Jägerstraße 67-69, 10117 Berlin (Hrsg.) Prävention, 2024
[DVR24b] Deutsche Verkehrswacht e.V., Budapester Straße 31, 10787 Berlin (Hrsg.) Aufgaben & Struktur, 2024
[DVR24c] Deutscher Verkehrssicherheitsrat e. V., German Road Safety Council, Jägerstraße 67-69, 10117 Berlin (Hrsg.) German Road Safety, 2024
[Funk06b] Dr. Funk, Walter In Schule, um Schule und um Schule herum. Impulse für eine kommunal vernetzte schulische Verkehrserziehung, 2006
[GdP24] GdP Gewerkschaft der Polizei, , Bundesgeschäftsstelle Berlin, , Stromstraße 4, 10555 Berlin (Hrsg.) Prävention kompakt - Verkehrssicherheit, 2024
[Gehl11] Gehlert, Tina Verkehrssicherheit, veröffentlicht in Verkehrspolitik - Eine interdisziplinäre Einführung, VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden 2011, 2011
[KLBD72] Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) Empfehlung zur Mobilität- und Verkehrserziehung in der Schule, 1972/07/07, Online-Referenz https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/1972/1972_07_07-Mobilitaets-Verkehrserziehung.pdf
[Limb02] Limbourg, Maria Der Einfluß der schulischen Verkehrserziehung auf das Verhalten von Kindern als Fußgänger im Straßenverkehr, 2002, Online-Referenz https://duepublico2.uni-due.de/servlets/MCRFileNodeServlet/duepublico_derivate_00010022/BeitrWienVE_94.pdf
[TUB21a] Schwedes, Oliver;, Pech, Detlef;, Becker, Julia;, Daubitz, Stephan;, Röll, Verena;, Stage, Diana;, Stille, Jurik;, Loose, Antje Von der Verkehrserziehung zur Mobilitätsbildung - Discussion Paper, 2021/03, Online-Referenz https://www.static.tu.berlin/fileadmin/www/10002265/Discussion_Paper/DP18_Schwedes_et_al_Mobilitaetsbildung.pdf, ISBN/ISSN 2197-6341
Glossar
BASt Bundesanstalt für Straßenwesen
StVO Die Straßenverkehrsordnung  legt Regeln für sämtliche Straßenverkehrsteilnehmer fest und bildet somit eine Rechtsverordnung der Bundesrepublik Deutschland.
BMDV
Bundesministerium für Digitales und Verkehr (bis 10/2005 BMVBW, bis 12/2013 BMVBS und bis 11/2021 BMVI)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?557228

Gedruckt am Samstag, 5. April 2025 08:28:55