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Fähr- und Ro/Ro-Verkehr

Erstellt am: 11.09.2002 | Stand des Wissens: 12.06.2024
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

RoRo-Schiffe (engl. Roll on Roll off) sind moderne Transportschiffe, die bewegliche Güter im RoRo-Verfahren transportieren. Meist Pkw oder Lkw, aber auch Züge, fahren die Ladungen selbst an Bord des Schiffes. Die Schiffe haben hierzu befahrbare Decks, die oft in der Höhe variabel sind, damit der Laderaum flexibler genutzt werden kann. Kennzeichnendes Merkmal des Fähr- und Ro/Ro-Verkehrs ist der horizontale Ladungsumschlag über Bug- und/oder Heckrampen. Als Vorteile des RoRo-Schiffs gelten seine Flexibilität bezogen auf die Ladungsart und Größe, die Integrationsfähigkeit in vorhandene Straßen- und Schienennetze, die hohe Umschlagsgeschwindigkeit, die unter anderem die Auslastung der Schiffe erhöht, und die niedrigen Umschlagskosten [IMO97; SHIP14, S.125 f.].
Ro/Ro-Dienste sind ausschließlich auf Fracht orientiert, verfügen jedoch häufig auch über Plätze für Lkw-Fahrer. Die schiffseigenen Rampen ermöglichen einen schnellen kostengünstigen Umschlag ohne landseitige Umschlaganlagen.
Die Stauung der rollenden oder rollbar gemachten Ladung in den möglichst durchgehenden, heute in der Regel über Rampen verbundenen, Decks der Ro/Ro-Schiffe, führt zu erheblichen Verlusten an Laderaum. In Verbindung mit den aufwändigen Heckrampenkonstruktionen bedingt dies, dass die Schiffe für den Transport allgemeinen Stückguts zumeist nur auf relativ kurzen Strecken wirtschaftlich einsetzbar sind, auf denen die Mehraufwendungen durch den Vorteil eines schnellen und kostengünstigen Hafenumschlags kompensiert werden oder in der Bedienung schlecht ausgestatteter Häfen (beispielsweise in Afrika) eingesetzt werden. Ro/Ro-Verkehr bietet die Möglichkeit Straßen zu entlasten und umweltfreundlich lange landseitige Verkehrswege zu umgehen, was sowohl Straßenkilometer als auch Emissionen und Umweltbelastung in Siedlungsgebieten verringert. Ein weiterer Vorteil ist die hohe Sicherheit, nicht nur durch entlastete Straßen, sondern auch durch Zwangspausen für Lkw-Fahrer [SHIP14, S.125 f.].
In Überseeverkehren befördern Ro/Ro-Schiffe neben Containern vor allem Fahrzeuge und Baumaschinen, Schwergüter und Papier. Einen Spezialmarkt im Ro/Ro-Verkehr bilden die reinen Autotransporte.
Fährlinien befördern in der Regel Passagiere und Fracht (mit Ausnahme der reinen Personenbeförderung auf Schnellfähren) [Sjös02]. Derzeit befinden sich etwa 15.400 Fähren (größer als 1.000 Bruttoraumzahl) im Einsatz und transportieren jährlich über 4,27 Milliarden Passagiere sowie mehr als 373 Millionen Fahrzeuge [IF20].
Der jeweilige Mix zwischen Passagier- und Ladungsbeförderung auf einer Fährlinie hängt von den konkreten Gegebenheiten der Relation, insbesondere der Wettbewerbslage zu alternativen Verkehrsangeboten ab. Generell nimmt mit zunehmender Reisedauer auf einer Fährrelation das Gewicht des Ladungstransports gegenüber dem Passagierverkehr zu. Das dritte Geschäftsfeld von Fährlinien ist der Bordumsatz (Restaurants, Geschäfte usw.), der mit Aufhebung des Duty-free-Verkaufs im Verkehr zwischen EU-Ländern stark an Bedeutung eingebüßt hat. Insgesamt wächst im Fährverkehr in Nord- und Ostsee der Ladungstransport schneller als die Personenbeförderung, eine Tendenz, die noch durch den Wegfall des eben erwähnten Duty-free-Verkaufs auf Fährschiffen innerhalb der EU verstärkt wurde. Bei den beförderten Ladeeinheiten überwiegen heute Lkw während die Beförderung von Bahnwaggons rückläufig ist [vgl. Ship06]. Zunehmend werden besonders auf längeren Linien unbegleitete Ladeeinheiten im kombinierten Verkehr verschifft. Die Einbindung in logistische Ketten gewinnt dabei auch für die Fährschifffahrt an Bedeutung.

Charakteristisch für die europäischen Fährverkehre ist die besonders im Passagesegment jahreszeitlich stark schwankende Nachfrage. Auch im Wochen- und Tagesgang weisen Fährlinien eine ungleichmäßige Auslastung aus.

Die Haupteinsatzgebiete der Fähr- und Ro/Ro-Schifffahrt sind die Nordsee/Irische See, die Ostsee, das Mittelmeer und Ostasien. Der Transport von Stückgütern zwischen Ostseehäfen erfolgt nahezu ausschließlich auf diese Weise.

Fährreedereien definieren sich zumeist als reine Transportunternehmen, die sich einer breiten Nachfrage als neutraler Anbieter präsentieren. Demgegenüber basieren Ro/Ro-Dienste häufig auf den speziellen logistischen Bedürfnissen von Großverladern (zum Beispiel Forstprodukte, Fahrzeuge).
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Fähr- und Ro/Ro-Verkehre (Stand des Wissens: 12.06.2024)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?284783
Produktionskonzepte im Kombinierten Verkehr (Stand des Wissens: 12.06.2023)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?321727
Literatur
[IF20] InterFerry (Hrsg.) Ferry Industry Facts, 2020
[IMO97] International Maritime Organization IMO and ro-ro safety, London, 1997/01
[Ship06] o.A. Shippax Statistics & Outlook 06 - The Yearbook for Passenger and Ro-Ro Shipping, ShipPax Information / Halmstad, 2006, ISBN/ISSN 1403-3305
[SHIP14] o.A. SHIPPAX-MARKET2014, 2014
[Sjös02] Sjöström, P. Ro-pax - the workhorse of today's ferry traffic, veröffentlicht in Scandinavian Shipping Gazette, 2002/03/08
Weiterführende Literatur
[Oppel05] Oppel, J.-A. Die Entwicklung der Fähr- und Ro/Ro-Schifffahrt in der Ostsee, veröffentlicht in Märkte im Wandel - mehr Mut zu Wettbewerb : Festschrift zum 65. Geburtstag von Rolf W. Stuchtey, Ausgabe/Auflage 1, Peter Lang / Frankfurt a..M., 2005, ISBN/ISSN 3-631-52943-0
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.
Rollende Landstraße
Die Rollende Landstraße (RoLa) ist ein Produkt im Bereich des Schienengüterverkehrs. Sie stellt eine spezifische Form des begleiteten Kombinierten Verkehrs dar. Dabei werden Lastkraftwagen bzw. Sattelzüge mit Hilfe der Roll-On/Roll-Off-Technik auf einen Güterzug aus durchgehenden Niederflurwagen verladen und über eine bestimmte Strecke transportiert. Die Fahrer begleiten ihre Fahrzeuge i. d. R. in einem mitgeführten Reisezugwagen. In Europa wird die RoLa z. B. für alpenquerende Verkehre angeboten. Sie kann eine betriebswirtschaftliche und/oder ökologische Alternative zum Straßengütertransport sein.
Ro/Ro Abkürzung für "Roll on/Roll off" - beschreibt im Seeverkehr den rollenden Ladungsumschlag über schiffseigene und/oder landseitige Rampen; im Kombinierten Verkehr die horizontale Verladung rollender oder rollbar gemachter Ladeeinheiten.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?8282

Gedruckt am Donnerstag, 13. Juni 2024 02:48:42