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Routenstrukturen im Luftverkehr

Erstellt am: 23.04.2004 | Stand des Wissens: 09.02.2023
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Der überwiegende Teil des gewerblichen Luftverkehrs fliegt nach Instrumentenflugregeln. Dabei wird ein durch Bodenfunkfeuer markierter Luftweg abgeflogen, um vom Start- zum Zielort zu gelangen. Durch die notwendige Bodeninfrastruktur ist die Flugstrecke festgelegt. Sie kann als sogenannte Standardstreckenführung aus den Publikationen der Flugsicherungsdienstleister entnommen und in den Flugplan eingetragen werden. Diese Standardstrecken beginnen bzw. enden an einem Ein-/Ausflugpunkt des Flugstreckennetzes [DFS03]. Die Verbindung zwischen Streckennetz und dem Flughafen wird durch Standard An- und Abflugstreckenführungen (Standard Terminal Arrival Routes (STAR), Standard Instrument Departure (SID)) gebildet. Diese Strecken des Luftraums sind so ausgelegt und ihre Navigationshilfsmittel so vermessen, dass der Flugverkehr sicher entlang der Routen geführt werden kann. Ein Sicherheitsabstand gegenüber Bodenhindernissen und eine Abgrenzung von anderen Lufträumen ist gewährleistet.
Abbildung 1: Flugstreckenführungen sind aufgrund militärischer Luftsperrgebiete nicht immer optimal zu realisieren [EUKom02r]

Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten wäre eine direkte Streckenführung mit einem kontinuierlichen Steig- beziehungsweise Sinkflug wünschenswert. Aufgrund der flugsicherungstechnischen Möglichkeiten muss das Flugprofil in Stufen und entlang von Wegpunkten geführt werden. Verbesserte Navigationssysteme haben eine Lösung vom starren Routennetz ermöglicht. Die Flächennavigation (Area navigation - RNAV) gestattet eine von Bodenfunkfeuern weitgehend unabhängige Definition von Flugstrecken. Die Flächennavigation macht eine Entflechtung des starren Streckennetzes möglich. Eine neue Routenstruktur kann nachhaltig neue Kapazität erzeugen [EUKom02r]. In diesem Rahmen hat man zur Optimierung der Luftraumstruktur in Deutschland, unter der Bezeichnung EAM04, für den oberen Luftraum bereits eine neue Routenstruktur geschaffen.
Abbildung 2: Entflechtung des starren Routennetzes durch die Verwendung von Flächennavigationsverfahren [DFS00]
Abbildung 3: Neue Routenstruktur [DFS00]

Im Prinzip handelt es sich bei der neuen EAM04-Struktur um parallele Streckenführungen in einer Flugrichtung und eine Trennung der Flüge nach den Kategorien An-, Ab- und Überflüge. Diese Maßnahmen entsprechen damit der Konzeption nach dem Streckenmodell ARN Version 3 (ATS Routes and Associated Navigation Means Version 3), die zu einer Harmonisierung des europäischen Luftraums führen soll. Diese Bestrebungen werden in verschiedenen Programmen, unter anderem dem Single European Sky-Programm, vorangetrieben [ECTR97b; ECTR98b].

Eine verbesserte Luftraumnutzung wird durch eine Nutzungsflexibilisierung zivil-militärischer Lufträume im Rahmen des Airspace Management (ASM) erreicht. Durch eine verkürzte Streckenführung sollen Kapazitätsengpässe abgebaut und Verspätungen vermieden werden.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Sicherheitsaspekte im Flugbetrieb (Stand des Wissens: 20.02.2023)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?87967
Literatur
[DFS03] k.A. Karte-Flugstreckenkarte Unterer Luftraum-NEON-Projekt, Deutsche Flugsicherung, Offenbach, 2003/09/05
[ECTR97b] k. A. Concept and Criteria for Medium Term European Route Network and associated Airspace Sectorisation (ARN Version 3), Eurocontrol, Brüssel, Belgien, 1997/11/15
[ECTR98b] k.A. ARN Version 3, Report on The Development of Proposals for Amendment of Table ARN-1 of the EUR-ANP, Eurocontrol, Brüssel, Belgien, 1998/07/08
[EUKom02r] o.A. A Single European Sky, Office for Official Publications of the European Communities, Luxembourg, 2002/04/30, ISBN/ISSN ISBN 92-894-3509-7
Weiterführende Literatur
[DFS00] k.A. Navigation in der Luftfahrt-Systeme und Verfahren im Wandel, Deutsche Flugsicherung GmbH, Offenbach, 2000/11

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?82810

Gedruckt am Donnerstag, 25. Juli 2024 15:05:17