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Multisektorplaner im Flugverkehrskontrolldienst

Erstellt am: 13.04.2004 | Stand des Wissens: 17.09.2018
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Zur effizienteren Kontrolle des Flugverkehrs ist der Luftraum in Sektoren gegliedert. Der Verkehr in jedem Sektor wird von Flugsicherungspersonal überwacht und geleitet. An jeder Sektorgrenze erfolgt die Übergabe des Verkehrs an einen anderen Lotsen, unter Umständen an eine andere Flugverkehrskontrollstelle oder einen ausländischen Flugverkehrskontrolldienst. Je zahlreicher diese Sektoren sind, desto höher ist der Koordinierungsaufwand. Die Zahl der notwendigen Sektoren ergibt sich unter anderem durch die Verkehrsdichte und beispielsweise durch Staatsgrenzen. In Europa ist daher eine große Anzahl von Sektoren vorhanden, deren Durchflugzeit lediglich zehn Minuten betragen kann [Meck00].

Aus der genaueren Flugführung durch neue Technologien erfolgt eine verbesserte Vorhersagegenauigkeit von Überflugzeiten und Positionen. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, Flüge exakter zu planen und mit anderem Verkehr zu koordinieren. Vorplanungszeiten von bis zu 40 Minuten sollen durch technische Neuerungen möglich sein und machen somit die Koordinierung über mehrere Sektoren hinaus notwendig. Man hat Untersuchungen vorgenommen, um dem Flugsicherungskontrolllotsen geeignete Planungshilfen zur Verfügung stellen zu können. Ein Multisektorplaner erfordert eine Anpassung der Protokolle zum Datenaustausch zwischen den Kontrollzentren. Der Multisektorplaner, als sektorübergreifende taktische Planungsinstanz, soll frühzeitig Kapazitätsengpässe aufzeigen.

Das Eingreifen mit geeigneten Maßnahmen der Verkehrsflussregelung soll dann einer Überlastung der betroffenen Sektorlotsen vorbeugen. Die rechtzeitige Vermeidung örtlicher Verkehrsspitzen oberhalb der Sektorkapazität in einem Gebiet wird eine verzögerungsfreie Verkehrsführung gewährleisten. Die Verringerung der Arbeitslast für den Controller beziehungsweise ein gegebenenfalls verringerter Personalbedarf bei gleichbleibender Sicherheit sind ein weiteres Ziel der Entwicklungen. Insbesondere im Rahmen der zukünftigen Neugestaltung des ATM Systems hin zu einer nutzerorientierten Bereitstellung der Flugsicherungsdienste kommt der sektorübergreifenden Verkehrsplanung besondere Bedeutung zu.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Sicherheitsaspekte der Flugsicherung (Stand des Wissens: 19.09.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?87935
Literatur
[Meck00] Meckiff, C. Multi-Sector Planning discussion document v1.22, Eurocontrol Experimental Center, Bretigny, Frankreich, 2000/03
Weiterführende Literatur
[TUB01] k.A. Mensch-Maschine-Interaktion in kooperativen Systemen der Flugsicherung und Flugführung, 2001/06
[ECTR99b] Whiteley, M. PHARE Advanced Tools Tactical Load Smoother - Final Report, Eurocontrol, Brüssel, 1999/11/28

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?81150

Gedruckt am Sonntag, 3. März 2024 17:50:05