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Träger, Partner und Rahmenbedingungen des Carsharings

Erstellt am: 07.04.2004 | Stand des Wissens: 12.01.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Der Carsharing-Markt hat sich in den vergangenen Jahren sowohl vom Nutzungskonzept als auch in der Anbieterstruktur erweitert.
Neue Carsharing-Systeme wie das Free-Floating, kombinierte Carsharing-Angebote sowie neue (mobile) Buchungssysteme sind auf den Markt gekommen. Außerdem kommen neue Fahrzeugkonzepte vorrangig durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen zur Anwendung.
In Deutschland existierte Carsharing lange Zeit nur auf ehrenamtlicher Basis. Heutzutage bestehen (privatwirtschaftliche) Carsharing-Organisationen (CSO) mit den entsprechenden Personal- und Kostenstrukturen in verschiedenen Rechtsformen (siehe hierzu Synthesebericht "Rechtsformen des Carsharings" in der vorliegenden Wissenslandkarte). Vor allem für kleinere CSO im ländlichen Raum haben Personalkosten eine große Bedeutung [Rid18].

Im Bereich Carsharing hält der Trend zu Kooperationen weiter an, da sich für die Anbieter wirtschaftliche Vorteile ergeben und den Kunden ein "Mobilitätspaket" angeboten werden kann. Dabei ist zwischen den lokalen Kooperationen mit "Carsharing-fremden" Unternehmen und  "Vernetzungen" innerhalb der CSO zu unterscheiden. Bezüglich der Vernetzung existieren verschiedene Formen, wie zum Beispiel:
  • Ermöglichung von Quernutzungen, demzufolge die Nutzung von Carsharing bei einer anderen CSO: Zum Beispiel bei der Firma "Flinkster" der Deutschen Bahn (gleiche Tarife und Konditionen für Kunden bei lokaler Eigenständigkeit der Carsharing-Partner),
  • Organisation im Dachverband: Im Bundesverband CarSharing (bcs) sind 178 der 228 Carsharing-Anbieter zusammengefasst. Gleichzeitig ist der bcs Mitglied im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) und dem Bundesverband Fuhrparkmanagement [Bvcs21a].

Die häufigste Kooperationsform zwischen den Carsharing-Anbietern und dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sind Ermäßigungen für die Carsharing-Tarife für Kunden des ÖPNV [bcs15b, Rid18].
Neben den Anbietern des ÖPNV als klassisch lokalen Kooperationspartner ist auch die Wohnungswirtschaft an einer Zusammenarbeit interessiert. Dabei ist die Stellplatzbereitstellung, die Schaffung von Carsharing-Sonderangeboten für Bewohner einer Wohnanlage und die Entlastung des Wohnungsumfeldes Gegenstand der Kooperation [HiTe00; VCD18; bcs15a, Rid18].
Fahrzeughersteller und Mietwagenanbieter schließen sich für gemeinsame Carsharing-Angebote zusammen. Ein Beispiel ist Share Now, ein Joint Venture-Projekt zwischen den deutschen Automobilherstellern Daimler AG und BMW Group, welches seit Februar 2019 auf dem Carsharing-Markt agiert [ShNo21]. Auch High-Tech-Unternehmen wie Siemens oder Infineon steigen in das Konzept Carsharing ein [Rid18].
In kleineren Ortschaften sind auch Autohäuser und Tankstellen potenzielle Partner oder Träger des Carsharing [FHGel04].

Eine wichtige Maßnahme zur Attraktivierung von Carsharing, vor allem im innerstädtischen Bereich, ist die Bereitstellung von Flächen im Straßenraum für das Abstellen von Carsharing-Fahrzeugen. Der Gesetzgeber hat mit dem am 1. September 2017 in Kraft getretenem Carsharing-Gesetz die rechtliche Grundlage dafür geschaffen [bmvi16u; CsgG].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Carsharing (Stand des Wissens: 20.02.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?56435
Literatur
[bcs08a] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. CarSharing in Deutschland verzeichnet wiederum ein erfreuliches Wachstum der Nutzungszahlen, Hannover, 2008/03/05
[bcs15a] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Carsharing und Wohnen eine echte Win-win-Situation, 2015/01/29
[bcs15b] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Wie Verkehrsunternehmen und CarSharing-Anbieter zusammenarbeiten, 2015/01/08
[bcs18c] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Mitglieder [des Bundesverbandes Carsharing], 2018/02
[bmvi16u] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Bundeskabinett verabschiedet Carsharinggesetz, 2016/12/21
[Bvcs21a] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Mitglieder, 2021/02
[CDMO01] Diez, Willi , Maertins, Christian , Ottens, Michael , Reindl, Stefan, Canzler, Weert Dienstleistungsplattform für innovative marken- und branchenübergreifende Mobilitätsangebote - Kurzfassung -, Nürtingen, 2001
[DiRe01] Diez, Willi , Reindl, Stefan Kooperationen im Dienstleistungsbereich Car-Sharing, Nürtingen, 2001
[FHGel04] Schweig, Karl-Heinz, Keuchel, Stephan, Kleine-Wiskott, Roland, Hermes, Rolf, van Acken, Clemens Car-Sharing in kleinen und mittleren Gemeinden, Recklinghausen, 2004/01
[FrDR98] Frick, Siegfried , Diez, Willi , Reindl, Stefan Marktchancen für das Kfz-Gewerbe durch ökoeffiziente Dienstleistungen - Kilometer-Leasing als neuer Dienstleistungsbereich für Autohäuser und Werkstätten, Nürtingen, 1998
[HiTe00] Hiestermann, Lutz , Telgenbüscher, Thomas incars - CarSharing als Dienstleistung der Wohnungswirtschgaft, veröffentlicht in Schnittstellen im Mobilitätsmanagement, Ausgabe/Auflage 6, Dortmunder Vertrieb für Bau- und Planungsliteratur, 2000, ISBN/ISSN 3-929797-60-7
[Rid18] Herdtle, Carolin, Parzinger, Gerhard , Grausam, Michael , Müller, Ulrich, Rid, Wolfgang Carsharing in Deutschland. Potenziale und Herausforderungen, Geschäftsmodelle und Elektromobilität., Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Wiesbaden: Springer Vieweg , 2018, ISBN/ISSN 978-3-658-15905-4
[ShNo21] Share Now (Hrsg.) SHARE NOW trotzt der Pandemie mit gutem Geschäftsjahr 2020, 2021/01/14
[VCD18] Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V. (Hrsg.) Vergünstigte ÖPNV-Tickets, Carsharing und Mobilitätsstationen: Wie die Wohnungswirtschaft umweltfreundliche Mobilität fördern kann, 2018/04/12
Weiterführende Literatur
[BAST04b] Loose, Willi , Mohr, Mario , Nobis, Claudia , et al. Bestandsaufnahme und Möglichkeiten der Weiterentwicklung von Car-Sharing, veröffentlicht in Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Ausgabe/Auflage Verkehrstechnik Heft V 114, Wirtschaftsverlag NW, Bergisch Gladbach, 2004/07, ISBN/ISSN 3-86509-144-X
[bcs08a] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. CarSharing in Deutschland verzeichnet wiederum ein erfreuliches Wachstum der Nutzungszahlen, Hannover, 2008/03/05
[KrSa01] Krämer, Christine , Saretzki, Ute Das "öffentliche" Auto Kooperationen zwischen ÖPNV und CarSharing, 2001
[CDMO01] Diez, Willi , Maertins, Christian , Ottens, Michael , Reindl, Stefan, Canzler, Weert Dienstleistungsplattform für innovative marken- und branchenübergreifende Mobilitätsangebote - Kurzfassung -, Nürtingen, 2001
[Wilk04] Wilke, Georg Konkurrenz belebt das Geschäft - Car-Sharing in Deutschland, veröffentlicht in Politische Ökologie, Ausgabe/Auflage Nr. 91-92, 2004
[DiRe01] Diez, Willi , Reindl, Stefan Kooperationen im Dienstleistungsbereich Car-Sharing, Nürtingen, 2001
[FrDR98] Frick, Siegfried , Diez, Willi , Reindl, Stefan Marktchancen für das Kfz-Gewerbe durch ökoeffiziente Dienstleistungen - Kilometer-Leasing als neuer Dienstleistungsbereich für Autohäuser und Werkstätten, Nürtingen, 1998
[VDV04] Verband Deutscher Verkehrsunternehmen Mobilitätsbaustein CarSharing - Empfehlungen zur Kooperation mit dem ÖPNV, veröffentlicht in VDV-Mitteilungen, Ausgabe/Auflage Nr. 10009, Köln, 2004/04
[CzKR04] Thomas Czech , Berne Kremer , Martin Röhrleef Mobilitätsbaustein Car-Sharing - Empfehlungen zur Kooperation mit dem ÖPNV (Artikel), veröffentlicht in Der Nahverkehr, alba-Verlag, Düsseldorf, 2004/09
[ILS00] Freudenau, Henrik , Kanafa, Kamilla Neue Aufgabenfelder für Car-Sharing-Organisationen, veröffentlicht in Monatsbericht des Forschungsbereichs Verkehr, 2000/1
[CsgG] Gesetz zur Bevorrechtigung des Carsharing (Carsharinggesetz - CsgG)
Glossar
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch einen über die Smartphone-App vermittelten Zugangscode .
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.
Öffentlicher Personennahverkehr
Der öffentliche Personennahverkehr ist juristisch im Personenbeförderungsgesetz (PBefG) definiert. Laut Paragraf 8, Absatz 1 und 2 umfasst der ÖPNV "die allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Straßenbahnen, Obussen und Kraftfahrzeugen im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen". Taxen oder Mietwagen können dieses Angebot ersetzten, ergänzen oder verdichten.
Der Begriff ÖPNV bezieht sich in der Regel auf Strecken mit einer gesamten Reiseweite von weniger als 50 Kilometern oder einer gesamten Reisezeit von weniger als einer Stunde. Das in einer Stadt oder Region erforderliche Nahverkehrsangebot und dessen Eignung hinsichtlich Nachhaltigkeit und Klimaschutz wird in einem Nahverkehrsplan definiert und festgehalten.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?80560

Gedruckt am Donnerstag, 30. Mai 2024 12:47:06