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Emissionsdifferenzierte Start- und Landegebühren auf Flughäfen

Erstellt am: 07.02.2004 | Stand des Wissens: 27.02.2024
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Ansprechpartner
IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.

Im nationalen Bereich werden Start- und Landegebühren, die im Verhältnis zu den Umweltwirkungen des jeweiligen Luftfahrzeuges stehen, erhoben. Auf diese Weise kann auf die Luftverkehrsunternehmen Druck ausgeübt werden, da für diese sich der Besitz umweltfreundlicher Flugzeuge lohnt. In der Europäischen Union (EU) wird die Einführung von emissionsabhängigen Gebühren für den Luftverkehr diskutiert. Besonders interessant ist dabei die Erhebung von emissionsdifferenzierten Landeentgelten, da diese, im Gegensatz zu solchen für den Streckenflug, kurzfristig realisierbar sind, weil sie einen nationalen Charakter besitzen. Bei Entgelten für den Streckenflug, die  zum Beispiel zusammen mit Flugsicherungsentgelten erhoben werden, müssen dagegen, schon aufgrund wettbewerbsrechtlicher Probleme, zuvor internationale Absprachen erfolgen.

Es existieren Untersuchungen, die, unter Einbeziehung der Flugbewegungsdaten der Flughäfen Bremen, Köln/Bonn und Frankfurt/Main, umfassende Erkenntnisse über die durch den Luftverkehr verursachten Emissionen offenlegen und dadurch eine fundierte Bewertung entsprechender Maßnahmen ermöglichen, jedoch sind weitergehende politische Vorgaben erforderlich, um die praktische Erarbeitung eines Entgeltsystems voran zu bringen. Der Konsensfindungsprozess auf europäischer Ebene brachte bereits eine Neuausrichtung. So wurde davon abgegangen, Entgeltsysteme auf der Bemessungsgrundlage von Stickoxid (NOx)- und Kohlenstoffdioxid (CO2)-Messwerten zu entwickeln. Auf europäischer Ebene werden die NOx-Emissionen als wichtigster Messwert betrachtet. [DLR10b]

Schweden und die Schweiz sind die ersten Länder, die in ihre Luftfahrtgesetzgebung emissionsabhängige Landegebühren aufgenommen haben. Beginnend im Jahr 1997 für den Flughafen Zürich-Kloten wurde die Gebührenordnung auf die Flughäfen Genf (1998), Bern (2000) und Basel (2003) ausgeweitet. Ziel ist dabei die Verwendung emissionsarmer Antriebstechnologie zu fördern. In der Schweiz wird eine Differenzierung in fünf Klassen vorgenommen. Der Emissionsfaktor ergibt sich aus der Summe der NOx- und HC-Emissionen während des Start- und Landevorgangs und wird durch den maximalen Triebwerksschub geteilt. Die Aufstellung der Gebührenordnung der schweizerischen BAZL unterteilt sich in Strahl- und Propellerturbinentriebwerke. [BAZL04] Die Emissionsgebühr beträgt 0-40 Prozent der Landegebühr. Die Einnahmen des Flughafens sind zweckgebunden für Aufwendungen zur Emissionsreduktion am Flughafen.
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IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Maßnahmen zur Minderung von Luftverkehrsschadstoffen (Stand des Wissens: 28.02.2024)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?34402
Literatur
[BAZL04] k.A. Emissionsabhängige Landetaxen - Klassierung der Jet-Triebwerke, 2004/06/11
[DLR10b] Zukunft, Detlef, Dr. Emissionsdifferenzierte Entgeltregelungen im Luftverkehr, DLR / Köln, 2002
Weiterführende Literatur
[EUKom02j] Mendes de Leon, P.; , Thwaites, L.; , Peeters, P.; , Greenwood, D., Dings, J.M.W. (Jos) , Ir., Doganis, Rigas, Prof., Wit, R.C.N. (Ron) , Drs. Economic incentives to mitigate greenhouse gas emissions from air transport in Europe, CE / Delft, 2002/07
[UBA01b] Brosthaus, Josef , Schneider, Joachim , Sonnborn, Klaus-Siegfried , Schmied, Martin , Köhn, Ady , Limprecht, Barbara, Hopf, Rainer, Dr., Kuhfeld, Hartmut, Pastowski, Andreas, Petersen, Rudolf, Prof. Dr., Schallaböck, Karl Otto, Dr., Weyrauther, Gerd, Dipl.-Ing., Winter, Gerd, Prof. Dr. Maßnahmen zur verursacherbezogenen Schadstoffreduzierung des zivilen Flugverkehrs, Umweltbundesamt Fachgebiet I 3.2 Berlin, 2001, ISBN/ISSN ISSN 0722-186X
[Fich99] Fichert, Frank, Dr. Umweltschutz im zivilen Luftverkehr Ökonomische Analyse von Zielen und Instrumenten, Duncker & Humblot Berlin, 1998, ISBN/ISSN ISBN: 3-428-09596-0 / ISSN: 0542-1497
Glossar
HC
= hydrocarbons, zu Deutsch: Kohlenwasserstoffe. Als Kohlenwasserstoffe werden in der Chemie Verbindungen bezeichnet, die ausschließlich Kohlenstoff (C) und Wasserstoff (H) im Molekül enthalten.
NOx
= Stickoxide. Ist die Sammelbezeichnung für die Oxide des Stickstoffs. Die wichtigsten Stickoxide sind Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid. Es sind gasförmige Verbindungen, die sich nur wenig in Wasser lösen.
Die wichtigsten Stickoxid-Quellen sind natürliche Vorgänge, wie zum Beispiel mikrobiologische Umsetzungen im Boden, sowie Verbrennungsvorgänge bei Kraftwerken, Kraftfahrzeugen und industrielle Hochtemperaturprozesse, bei denen aus dem Sauerstoff und Stickstoff der Luft Stickoxide entstehen. Stickstoffdioxid ist ein Reizstoff, der die Schleimhäute von Augen, Nase, Rachen und des Atmungstraktes beeinträchtigt.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?74179

Gedruckt am Dienstag, 21. Mai 2024 16:12:57