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Betriebssicherheit & Gefahrenabwehr in Seehäfen

Erstellt am: 18.01.2023 | Stand des Wissens: 18.01.2023
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Seehäfen stellen in der maritimen Lieferkette einen neuralgischen Punkt dar. Störungen an dieser Stelle wirken sich schnell auf alle vor- und nachgelagerten Punkte in der Lieferkette aus. Deswegen gilt es, Seehäfen besonders zu schützen. Gleichzeitig werden im Seehafen mit schwerem Equipment große Gütermengen transportiert, wodurch ein Betriebsunfall schneller fatale Folgen für die Beteiligten haben kann. Aufgrund dessen nimmt Betriebssicherheit in der Konzipierung und Umsetzung der Transportprozesse eine wichtige Rolle ein.
Vermehrte Brände im Hafenbereich  haben dazu geführt, dass der Brandschutz innoviert worden ist. In der Retrospektive wurden die existierenden Regeln zur Lagerung von Gefahrgut als ausreichend eingeschätzt, allerdings wurde festgestellt, dass die geltenden Regeln nicht immer eingehalten wurden. Als Unterstützung zur Identifizierung von nicht oder falsch deklariertem Gefahrgut wird deswegen mithilfe von maschinellem Lernen die Plausibilität der Angaben zur Beladung von Containern überprüft [Alli20].
Ein weit verbreiteter Ansatz zur Reduzierung von Personenschäden im Zusammenhang mit Betriebsunfällen ist die Automatisierung insbesondere von gefährlichen und repetitiven Aufgaben im Hafenbereich. Dazu gehören unter anderem die Twist Locks, die zwei aufeinander gestapelte Container zum Beispiel während einer Seereise zusammenhalten. Diese werden traditionellerweise von Menschen befestigt und entfernt, auch wenn es bereits in der Praxis erprobte Konzepte zur Automatisierung gibt [Kug21]. Im Rahmen der Studie befragte Experten schätzen die Lage so ein, dass durch die Automatisierung die Aufgaben der Arbeitskräfte, die heutzutage die manuellen Twist Locks befestigen und entfernen, neu strukturiert werden und sich weiterentwickeln, es jedoch zu keinem Wegfall von Arbeitsplätzen kommen wird [Kug21]. Ein anderer Ansatz, wie Betriebsunfälle unter Beibehaltung einer hohen Effizienz im alltäglichen Betrieb vermieden werden können, ist der Aufbau eines tieferen Verständnisses für die Fahreigenschaften des Equipments. Mit diesem Wissen können zum Beispiel autonom fahrende Portalhubwagen in einer angemessenen Geschwindigkeit in die Kurve fahren, ohne ein Überrollen zu riskieren und ohne die Fahrgeschwindigkeit unnötig stark zu drosseln [Ge19].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Funktionen und Zukunftsperspektiven von Seehäfen im Kontext maritimer Lieferketten (Stand des Wissens: 18.01.2023)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?50780
Literatur
[Alli20] Allianz Global Corporate & Specialty (Hrsg.) Safety and Shipping Review 2020, 2020
[Ge19] Yunfei Ge , Qing Zhang , Xuehua Chen , Zhili Wu Research on the Steering Stability of Autonomous Straddle Carrier, 2019
[Kug21] Michael Kugler, Marcus Brandenburg, Sander Limant Automizing the manual link in maritime supply chains? An analysis of twistlock handling automation in container terminals, 2021
Glossar
Straddle Carrier
Hochbeiniges Transportfahrzeug, das zwischen seinem Fahrgestell Container transportieren kann. Es wird  zum Horizontaltransport und zur Ein-, Aus- und Umlagerung von Containern genutzt. Container werden hierzu überfahren und von oben aufgenommen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?564755

Gedruckt am Sonntag, 26. Mai 2024 08:00:28