Beispiele zum Zustand der kommunalen Verkehrsinfrastruktur
Erstellt am: 07.01.2021 | Stand des Wissens: 07.01.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechperson
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Der Investitionsstau der vergangenen Jahrzehnte ist nicht spurlos an der bestehenden Infrastruktur vorbeigegangen. Trotz der Devise Erhalt vor Neubau [BMVI16ah, S.1] und dem Fokus auf die Leistungsfähigkeit des Gesamtnetzes war die Verkehrsinfrastruktur strukturell unterfinanziert.
Das Verkehrsinfrastrukturnetz in Deutschland ist weitgehend fertig aufgebaut. [BoKo13a, S.12] Die Gebrauchs- und Substanzwerte der Straßen werden gegenwärtig in festen Erfassungszyklen gemessen. Hierbei wird jedoch nur der Zustand der Fahrbahnoberfläche untersucht. Um umfassende Sanierungskonzepte auszuarbeiten, werden detailliertere Messungen nötig sein.
Im Februar 2019 forderte der ADAC Nordrhein eine Verbesserung des Erhaltungsmanagements der kommunalen Straßen. Die Lage sei katastrophal, einzelne Fahrbahnabschnitte seien mit Schlaglöchern geradezu übersäht, die Folgen seien Sachschäden an Reifen und Radaufhängungen von Pkw, aber auch Personenschäden im Falle von Zweiradfahrern. [ADAC19d] Neben bundesweit bekannten Sanierungsfällen wie der Rheinbrücke Leverkusen als Überführung der Autobahn A1, weisen auch die kommunalen Brücken erhebliche Verfallsschäden auf. So ergab eine Studie des Deutschen Institut für Urbanistik 2013, dass bis 2030 rund 10.000 (15 Prozent) der Brücken in kommunaler Verantwortung komplett ausgetauscht werden müssen. [Difu13] Ein Beispiel für die Folgen der Vernachlässigung liefert die Dahlhauser Pontonbrücke über die Ruhr zwischen Bochum und Hattingen. Dem Bauwerk aus den 50er Jahren wurden über Jahrzehnte keine Mittel aus dem Haushalt für die Instandhaltung zugewiesen. Ab 2005 wurde die Geschwindigkeit für Pkw zunächst auf 10 Stundenkilometer begrenzt, 2011 die Brücke dann gänzlich gesperrt. Busnutzer müssen die Brücke seitdem zu Fuß überqueren und auf der gegenüberliegenden Seite in einen für die Weiterfahrt wartenden Linienbus umsteigen. [Stue13]
Im Bereich des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) ist die Lage ebenfalls angespannt. In einem vom Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 2016 beauftragten Gutachten wurde der Zustand des dortigen Nahverkehrs untersucht. Die Ergebnisse sind alarmierend. So müssen große Teile der Infrastruktur wie Gleise und Brücken sowie auch die Fahrzeuge in den kommenden Jahren komplett erneuert werden. Dies wirkt sich auch auf die Nutzer aus. Der Qualitätsbericht SPNV Nordrhein-Westfalen 2018 konstatiert eine Verdopplung der S-Bahn-Ausfälle gegenüber dem Vorjahr. [VRR18, S.36]