Stadtverkehr
Erstellt am: 29.03.2018 | Stand des Wissens: 11.01.2023
Synthesebericht gehört zu:
Der Nichtmotorisierte Individualverkehr (NMIV) bildet eine elementare Komponente des Stadtverkehrs. Allein schon aufgrund der gegenüber dem ländlichen Raum höheren Bevölkerungsdichte ist es erforderlich, in den Städten angemessen dimensionierte und ausgestattete Verkehrsanlagen für das Zufußgehen und das Radfahren zur Verfügung zu stellen. Hierbei kommt es infolge unterschiedlicher Interessenslagen immer wieder zu Konflikten mit den Ansprüchen und Erfordernissen des Fahrzeugverkehrs zum Beispiel bei der Flächenaufteilung für Anlagen des Ruhenden Verkehrs und des Radverkehrs. Eine ausgewogene Stadt- und Verkehrsplanung sollte den Anspruch verfolgen, hier integrierend und im Sinne eines Interessensausgleichs zu agieren.
Das gestiegene Bewusstsein für die durch den Stadtverkehr maßgeblich mitverursachten klima- und umweltschädigenden Wirkungen hat dazu geführt, dass vielerorts die Förderung des NMIV wieder an Bedeutung gewinnt.
Infolgedessen vollzieht sich auch ein Paradigmenwechsel in der Herangehensweise bei Planungsvorhaben des Stadtverkehrs. Er führt weg vom rein straßen- und autoorientierten Planungsansatz hin zu einer städtebaulichen Bemessung [RASt06], die zuerst von den Ansprüchen des Seitenraumes also vorzugsweise der nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer ausgeht.
Ein weiterer, in zunehmendem Maße diskutierter und angewendeter Planungsansatz besteht im Konzept des Shared Space [FGSV14]. Dieser Ansatz verfolgt das Ziel einer selbsterklärenden Straßenraumgestaltung mit gemeinschaftlich genutzten Flächen bei gleichzeitig erhöhter Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer füreinander. Diese soll durch weitgehenden Wegfall verkehrlicher Regelungen motiviert werden. Dabei sind optimale Sichtbeziehungen von höchster Bedeutung. Auf die Verkehrsbeschilderung und Markierungen wird weitestgehend verzichtet. Die Gleichwertigkeit der Verkehrsteilnehmer wird gestalterisch auch darin verdeutlicht, dass niveaugleiche Mischflächen ohne Hochborde Anwendung finden. Durch die Stärkung der Aufenthalts- und Kommunikationsfunktion soll der nicht mehr nur vom Kfz-Verkehr dominierte Straßenraum lebenswerter und sicherer gestaltet werden.
Die zunehmende Bedeutung des Nichtmotorisierten Individualverkehrs für die Städte kommt auch darin zum Ausdruck, dass immer mehr Kommunen sich einer Qualitätsanalyse ihrer Verkehrsplanung und -politik speziell zum Radverkehr und zum Fußverkehr unterziehen. Hierfür wurden und werden spezielle Analyseinstrumente wie zum Beispiel das Bypad-Verfahren [BYPAD05] und Fußverkehrs-Checks [NVBW16] entwickelt.
Der immer deutlicher sichtbare demographische Wandel sowie die zumindest teilweise wieder wachsenden Tendenzen zur Reurbanisierung [BBSR17a] - also des Zuzugs in die Städte - werden auch in nächster Zeit dazu führen, dass die Belange des NMIV bei der Gestaltung des Stadtverkehrs von großer Bedeutung bleiben.