Bodenabfertigungsdienste
Erstellt am: 06.02.2018 | Stand des Wissens: 18.07.2023
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Zu den Bodenabfertigungsdiensten werden alle luft- und landseitigen Leistungen gezählt, die zur bedarfsgerechten Abfertigung eines Flugzeugs am Flughafen benötigt werden. Diese Leistungen reichen vom Ankommen eines Flugzeugs am Flughafen (on block) bis zum Verlassen der Position (off block) [Temp07a]. Es wird zwischen Passagier-, Gepäck-, Fracht- und Vorfeldabfertigung unterschieden [EU 96/67/EG]. Der Wertschöpfungsanteil der Bodenabfertigungsdienste macht ungefähr 10 bis 20 Prozent des Umsatzes eines internationalen Flughafens in Deutschland aus [HAM15].
Wurden die Bodenabfertigungsdienste bis Mitte der 1990er Jahre als monopolitische Leistung durch die Flughäfen erbracht, legt innerhalb der Europäischen Union (EU) die Richtlinie 96/67/EG des Europäischen Rates seit dem Jahr 1996 Mindeststandards für die Öffnung des Marktes für diese Dienste fest. Danach bestehen grundsätzlich vier Möglichkeiten für die Leistungsbereitstellung der Bodenabfertigungsdienste [StCo03]:
- Selbstabfertigung, das heißt, die Fluggesellschaft erbringt die Dienste für ihre eigenen Flüge,
- Abfertigung durch eine andere Fluggesellschaft,
- Abfertigung durch eine Gesellschaft des entsprechenden Flughafens oder
- Abfertigung durch spezialisierte, unabhängige Dritte.
Die Richtlinie definiert Kriterien über die Mindestgröße des Flughafens und ob Selbst- oder auch Fremdabfertigung möglich ist (vergleiche Abbildung 1)[StCo03]. Bei Gepäckabfertigung, Vorfelddiensten, Betankungsdiensten sowie Fracht- und Postabfertigung ist eine Beschränkung der Anbieterzahl der Abfertiger durch nationale Vorschriften möglich. Dabei müssen mindestens zwei Abfertiger eingesetzt werden, von denen mindestens einer unabhängig sein muss. Durch eine regelmäßige öffentliche Ausschreibung muss einem lizenzierten Drittabfertiger Zugang zum Flughafen gewährt werden. Der Fremdabfertiger muss hierbei nach sachgerechten, objektiven, transparenten und nicht diskriminierenden Kriterien ausgewählt werden.
Für alle sonstigen Bodenabfertigungsdienste, wie zum Beispiel die administrative Abfertigung, Reinigungsdienste oder auch Bordverpflegungsdienste (Catering), besteht freier Marktzutritt für Selbst- und Drittabfertiger. Diese Leistungen können den Nutzern des Flughafens, den Fluggesellschaften, durch Bodenabfertigungsdienstleister frei angeboten werden.
In Deutschland wird die Richtlinie durch die Bodenabfertigungsdienstverordnung (BADV) umgesetzt. Nach der EU-Richtlinie 96/67/EG ist es den Mitgliedstaaten der Europäischen Union erlaubt, die Anbieterzahl der Bodenabfertigungsdienste wie oben beschrieben zu begrenzen. In der BADV ist diese Beschränkung der Anbieterzahl relativ restriktiv umgesetzt und bei vielen Bodenabfertigungsleistungen auf zwei Anbieter begrenzt worden. Die genaue Zahl der zuzulassenden Drittabfertiger an den jeweiligen deutschen Flughäfen ist in der Anlage 5 der BADV genannt. In anderen europäischen Ländern wie zum Beispiel Großbritannien und den Niederlanden wurde die Richtlinie weniger restriktiv umgesetzt, sodass bei vielen Bodenabfertigungsdiensten eine größere Anzahl an Drittabfertigern zulässig ist als in Deutschland.
Das Ergebnis der Umsetzung der EU-Richtlinie 96/67/EG in Deutschland ist, dass in der Praxis kaum Wettbewerb um die Erbringung von Bodenverkehrsdienstleistungen stattfindet. Neben dem Dienstleister des Flughafens ist oft nur ein weiterer Anbieter erlaubt. Unabhängige Drittabfertiger weisen im Durchschnitt nur einen Marktanteil von 20 Prozent auf (vergleiche Tabelle 1).
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Eine entsprechende Überarbeitung der EU-Richtlinie 96/67/EG, welche eine weitere Öffnung des Marktes für Bodenverkehrsdienste vorsah, wurde ab dem Jahr 2015 zunächst nicht weiterverfolgt. Jedoch wurde eine Evaluierung der Richtlinie angekündigt. Die Veröffentlichung des Ergebnisses der Evaluierung steht noch aus [DBu23].