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Wirkungen des Mobilitätsmanagements

Erstellt am: 15.05.2003 | Stand des Wissens: 25.10.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Das Mobilitätsmanagement wirkt als nachfrageorientierter Ansatz auf verschiedene Zielfelder, welche in Abbildung 1 dargestellt sind. Dabei ist das Zielfeld Umwelt von entscheidender Bedeutung, da das MM unter anderem das Ziel verfolgt, vorhandene Verkehrssysteme effizienter zu nutzen und den Umweltverbund zu stärken. Durch eine Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs auf Verkehrsmittel des Umweltverbundes können beispielsweise der Flächenverbrauch, die Lärmbelästigung, der Schadstoffausstoß sowie Trennwirkungen verringert werden [Lou13, S. 13]. Wird das Zielfeld Gesundheit betrachtet, dann kommt es beispielsweise infolge der Verlagerung von motorisierten Pkw-Fahrten auf den nichtmotorisierten Individualverkehr zu mehr aktiver Bewegung des Menschen und dieses fördert nachweislich die (Mitarbeitenden-) Gesundheit [Anders10, S. 1621f.; Lou13, S. 14, Sena18b]. Das Zielfeld Sicherheit lässt sich unter anderem über die Reduktion von Unfällen näher beschreiben [LitFit14]. Im Zielfeld Kosten spielen zum einen die Mobilitätskosten der einzelnen Personen eine Rolle, zum anderen die Kosten für die MM-Maßnahme selbst, die von der Kommune oder von ArbeitgeberInnen getragen werden müssen.
Wirkungsbereiche.pngAbbildung 1: Wirkungsbereiche von Mobilitätsmanagement (nach [Lou13, S. 14; LouFar12, S.183])
Systematische Untersuchungen über Wirkungen des Mobilitätsmanagement liegen selten vor. Die Gründe für die fehlenden umfassenden Wirkungsanalysen liegen erstens darin, dass die Ermittlung von verlässlichen Aussagen zu den Wirkungen methodisch anspruchsvoll ist. Zweitens erfolgen Verhaltensveränderungen in einem langfristigen Prozess und lassen sich deshalb häufig nicht innerhalb zeitlich beschränkter Forschungsstudien ausreichend bestimmen. Darüber hinaus besteht die Schwierigkeit darin, Wirkungen des Mobilitätsmanagements von den Wirkungen anderer Maßnahmen und Entwicklungen isolieren zu können.

Generell kann festgestellt werden, dass zwar zahlreiche Studien existieren, bei denen zumindest als Teilaspekt eine Wirkungsanalyse zu Maßnahmen des Mobilitätsmanagement durchgeführt wurde. Die empirischen Belege beschränken sich aber überwiegend auf einzelne Fallstudien. Es bestehen somit kaum generelle Aussagen zur Höhe der Wirkungen des Mobilitätsmanagement und deren Rahmenbedingungen, die ausreichend empirisch abgesichert wären [StöBo05] [BLEE19].

Die Methodik der Wirkungsermittlung durch Evaluation soll an dieser Stelle nicht weiter beschrieben, sondern es soll auf die Literatur verwiesen werden [FGSV12b; StoMey09; DeGEval02]. Es existieren Handbücher zur Erfassung von Wirkungen [unter anderem BVWe01]. Ein wichtiger Kernpunkt ist hierbei, verschiedene Wirkungsebenen von Mobilitätsmanagement und dessen Maßnahmen zu berücksichtigen, die unter anderem gemessen werden an dem Anteil der Personen, die
  • bestimmte Maßnahmen kennen ("Bekanntheitsgrad"),
  • bestimmte Maßnahmen getestet haben ("schnuppern"),
  • mit Maßnahmen zufrieden sind oder
  • die Maßnahmen regelmäßig nutzen ("Stammkunden").
Es empfiehlt sich daher, das Mobilitätsmanagement an einzelnen Standorten zu beginnen, dort Wirkungen zu ermitteln und diese Wirkungen als Argumentationsbasis für eine weitere Ausweitung des Ansatzes zu nutzen. Die Bewertung des Mobilitätsmanagements birgt dabei mehrere Probleme [ScSe00a].
Mobilitätsmanagement löst die konventionelle Verkehrsplanung nicht ab. Es steigert jedoch die Effektivität und Effizienz [Sena18b].
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Mobilitätsmanagement (Stand des Wissens: 25.10.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?20082
Literatur
[Anders10] Lars Bo Andersen, Peter Schnohr, Marianne Schroll, Hans Ole Hein All-Cause Mortality Associated With Physical Activity During Leisure Time, Work, Sports and Cycling to Work, 2010
[BLEE19] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Blees, Volker Mobilitätsmanagement - vollwertiges Instrument im Orchester der Verkehrsplanung? , veröffentlicht in Mobilitätsmanagement. Ansätze, Akteure, Ausblick. Informationen zur Raumentwicklung, Ausgabe/Auflage Heft 1/2019, Bonn, 2019
[BVWe01] Bruns, Hans-Ludwig, Vennefrohne, Klaus, Welk, Lars Mobilitätsmanagement in der betrieblichen Praxis, 2001
[DeGEval02] Standards für Evaluation, 2002
[FGSV12b] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Hinweise zur Evaluation von verkehrsbezogenen Maßnahmen, Ausgabe/Auflage Ausgabe 2012, FGSV Verlag, Köln, 2012, ISBN/ISSN 978-3-86446-000-5
[LitFit14] Todd Litman, Steven Fitzroy Save Travels
Evaluating Mobility Management Traffic Safety Impacts, 2014/09/09
[Lou13] Conny Louen Wirkungsabschätzung von Mobilitätsmanagement
Ansatzpunkte zur Modellierung & Ableitung von Potentialen und Wirkungen am Beispiel des betrieblichen Mobilitätsmanagements, 2013/11, ISBN/ISSN 978-3-88354-166-2
[LouFar12] Conny Louen, Reyhaneh Farrokhikhiavi CO2-Einsparung und Verlagerungspotenziale von Mobilitätsmanagementmaßnahmen, veröffentlicht in Mobilitätsmanagement. Wissenschaftliche Grundlagen und Wirkungen in der Praxis, Klartext Verlag, 2012, ISBN/ISSN 9783837504743
[ScSe00a] Schreffler, Erick N., Serwill, Dirk Bewertung von Mobilitätsmanagement-Projekten: Wie kann Erfolg gemessen werden?, veröffentlicht in Schnittstellen im Mobilitätsmanagement, Dortmunder Vertrieb für Bau- und Planungsliteratur Gutenbergstraße 59, 44319 Dortmund, 2000, ISBN/ISSN 3-929797-60-7
[Sena18b] Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin, Benjamin Sternkopf, Abteilung Luftreinhaltung (Hrsg.) Was ist und was kann Mobilitätsmanagement. Eine Einordnung in die Verkehrs- und Umweltpolitik., 2018/10/16
[StöBo05] TRANSVER GmbH, Dr.-Ing. K. Bogenberger, Christoph Stöberl, Rupert Bobinger Wirkungen des Mobilitätsmanagements - Strukturierte Recherche bisheriger Forschungsergebnisse, 2005/04
[StoMey09] Stockmann, R., Meyer, W. Evaluation, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Budrich Verlag, Opladen, 2009/12, ISBN/ISSN 978-3-8252-8337-7
Glossar
Umweltverbund
Unter dem Begriff Umweltverbund wird die Kooperation der umweltfreundlichen Verkehrsmittel verstanden. Hierzu zählen die öffentlichen Verkehrsmittel (Bahn, Bus und Taxis), nicht motorisierte Verkehrsträger (Fußgänger und private oder öffentliche Fahrräder), sowie Carsharing und Mitfahrzentralen. Ziel ist es, Verkehrsteilnehmern zu ermöglichen, ihre Wege innerhalb des Umweltverbunds, anstatt mit dem eigenen Pkw, zurückzulegen. Zunehmend wird der Begriff Mobilitätsverbund genutzt.
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?45309

Gedruckt am Montag, 20. Mai 2024 02:45:53