Im deutschen Binnenhandel wurden im Jahr 2020 mit 6,5 Millionen Beschäftigten 1,9 Billionen Euro Umsatz erzielt, davon 577 Milliarden Euro im Einzelhandel [
DESTATIS22;
Stat24c]. Im Gastgewerbe konnte der Umsatz von 64 Milliarden Euro (2020) auf rund 100 Milliarden Euro gesteigert werden, als die Corona Pandemie 2022 abebbte [
Stat22]. Die im Handel tätigen Unternehmen werden in Großhandels- und Einzelhandelsbetriebe unterschieden. Großhandelsbetriebe richten sich an Wiederverkäufer, gewerbliche Kunden und Großverbraucher, während Einzelhandelsbetriebe ihre Waren an den Endverbraucher absetzen [
Trip19a, S. 14f.]. Neben den genannten Abnehmern lassen sich Handelsunternehmen zusätzlich durch die Zusammensetzung des Sortiments (beispielsweise Lebensmittel, Möbel oder Spielwaren) [
BaHa07] oder hinsichtlich des Kontaktprinzips differenzieren, also die Nutzung der Vertriebskanäle (Vertrieb über Einzelhandelsfilialen als Onlinehändler oder als Multikanalanbieter)
Schr05b].
Abb. 1: Klassifizierung von Handelsformen [Darstellung nach [Trip19a, S.15ff.] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Abhängig von der Ausprägung der beschriebenen Merkmale unterscheiden sich Handelsunternehmen in ihren Logistikketten und weisen spezialisierte Aufbau- und Ablauforganisationen auf [
BaHa07]. Im Folgenden werden diese Besonderheiten für unterschiedliche Branchen im Handel detailliert betrachtet und die resultierenden Auswirkungen auf den Transport herausgestellt. Innerhalb der Einzelhandelsbranche steht der Onlinehandel und zwei Bereiche des stationären Einzelhandels besonders im Fokus. Der Onlinehandel zeichnet sich durch ein Distributionsmodell aus, bei dem die Ware bedarfsgerecht zum Kunden transportiert wird, woraus hohe Lieferfrequenzen und/oder geringere Transportvolumina resultieren [
Zent08]. Für den stationären Einzelhandel werden der Lebensmitteleinzelhandel und der Bekleidungseinzelhandel vorgestellt. Der Lebensmitteleinzelhandel ist durch ein heterogenes Warenangebot mit unterschiedlichen logistischen Anforderungen sowie durch eine hohe Anzahl von Rampenkontakten auf der Seite der Filialen gekennzeichnet [
GaSc13]. Der Bekleidungseinzelhandel zeichnet sich durch eine hohe Dynamik des Sortiments bei gleichzeitig langen Beschaffungswegen der produzierenden Länder in Asien aus [
Swo12].