Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Lieferkette

Erstellt am: 14.11.2012 | Stand des Wissens: 21.12.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Der allgemeine Begriff der Lieferkette wird in den "Grundlagen der modernen Logistik" [ModLog07] wie folgt beschreiben:
"Eine Lieferkette ist die geordnete Folge von Tätigkeiten, die zur Erfüllung eines Kundenwunsches notwendig sind. Der Anfang des Güterflusses in einer Lieferkette soll dort sein, wo die einzusetzenden Produkte austauschbar sind. Das Ende dort, wo der Verbleib keine Rolle spielt." [ModLog07, S. 20f.]
Diese allgemeingültige Definition ist prinzipiell auf alle vorstellbaren Bereiche des Lebens übertragbar, in dem eine Lieferkette zur Anwendung kommt. Die Übertragung auf den Luftfrachtbetrieb führt zur Beschreibung der sogenannten klassischen Lieferkette, welche als Transportmedium eines Frachtstückes vom Sender zum Empfänger zu verstehen ist.
Teilnehmer der klassischen Lieferkette im Luftfrachtbetrieb sind [AThl12]:
  • Versender
  • Luftfrachtspediteur
  • Luftfrachtführer
  • Zollbehörde
  • Empfänger
Die Transportarbeit der klassischen Lieferkette erfolgt teilnehmerspezifisch durch sogenannte Leistungselemente. Dabei startet die klassische Lieferkette durch die Abholung des Transportgutes beim Versender durch den Luftfrachtspediteur. Dieser transportiert die Ware auf dem Landweg zu einem Lager (auch kurzes Zwischenlager) in Flugplatznähe. Dort findet eine Bearbeitung der Ware in Form von eventuell nötiger Verpacker, Verzollung, et cetera durch den Luftfrachtspediteur statt. Abschließend stellt dieser für das Transportgut alle notwendigen Frachtdokumente (vgl. Synthesebericht "Luftfrachtbrief" in gleichnamiger Wissenslandkarte) aus. Im Anschluss erfolgt die Übernahme der Ware durch den Luftfrachtführer. Dieser verlädt das Transportgut in das Luftfahrzeug, führt den Lufttransport sowie die Entladung durch und bearbeitet die getätigte Dienstleistung in den entsprechenden Dokumenten. Im Anschluss erfolgt eine Übergabe der Ware an den Luftfrachtspediteur, welcher wiederum den Wareneingang bearbeitet, die mitunter notwendige Verzollung durchführt und letztendlich die Auslieferung mittels Landtransport an den Empfänger übernimmt.
Die klassische Lieferkette ist somit durch viele Teilnehmer und eine umfängliche Dokumentationskette gekennzeichnet, welche neben den Luftfrachtbrief unter anderem Handelsrechnungen, Ursprungszeugnisse und Ausfuhrgenehmigungen enthalten. [LogMaStr12]
Zur Vereinfachung der Dokumentenvielfalt entwickelte sich neben der klassischen Lieferkette die sogenannte integrierte Lieferkette. Diese ist durch die Zusammenfassung der Teilaufgaben beziehungsweise Leistungselemente der klassischen Lieferkette gekennzeichnet. Die Teilnehmer Luftfrachtspediteur, Luftfrachtführer und im gewissen Maße auch die Zollbehörde sind zu einem Teilnehmer der integrierten Lieferkette zusammengefasst: dem Integrator.
Die integrierte Lieferkette wirbt mit dem sogenannten Tür-zu-Tür-Transport und setzt so eine Dienstleistung mit hoch standardisiertem Ablauf um. In der Regel findet diese Lieferkette für Luftfahrtunternehmen mit reinen Frachtflotten (ohne Passagierbetrieb) Anwendung. Das Luftfahrtunternehmen besteht dabei im Wesentlichen aus der Luftfahrzeugflotte, Fahrzeugen für den Landtransport und Logistikzentren. Kerngeschäft für Unternehmen mit integrierter Lieferkette ist der Express- und Kurierverkehr von Paketen und Dokumenten, zunehmend aber auch der Transport großer Frachtstücke. Vertreter der integrierten Lieferkette sind FedEx, UPS, DHL, et cetera.
401828_Lieferkettenvergleich.PNG
Abbildung 1: Vergleich der Teilnehmer der klassischen und der integrierten Lieferkette [AThl12]

Grundsätzlich ist das Maß der Luftsicherheit nicht davon abhängig, ob eine klassische oder integrierte Lieferkette Anwendung findet. Die Anzahl an involvierten Unternehmen beziehungsweise Teilnehmern ist jedoch bei der klassischen Lieferkette größer. Da die Luftsicherheit prinzipiell von allen Teilnehmern der Lieferkette zu gewährleisten ist, ist der Aufwand für die Gewährleistung der Luftsicherheit für die klassische Lieferkette größer.

Die Sicherheitskotrollen der Frachtstücke werden bis heute im Gegensatz zur Passagier- und Gepäckkontrolle nicht als Hoheitsaufgabe der Bundesrepublik Deutschland durch die Bundespolizei durchgeführt, sondern durch den Luftfrachtspediteur, den Luftfrachtführer oder den Integrator. Die Aufgabenübertragung der Sicherheitskontrollen erfolgt dabei über das Luftfahrtbundesamt, welches die Randbedingungen der Sicherheitskontrollen definiert.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Maßnahmen zur Erhöhung der Luftsicherheit (Security) (Stand des Wissens: 15.12.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?132104
Literatur
[AThl12] André Thielmann Risikoanalyse der "sicheren Lieferkette" für mögliche Neugestaltung der Luftfrachtsicherheit, Dresden, 2012/02/13
[LogMaStr12] Richard Vahrenkamp, Herbert Kotzab, Christoph Siepermann Logistik: Management und Strategien, Ausgabe/Auflage 7. Auflage, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, 2012, ISBN/ISSN 978-3-486-70579-9
[ModLog07] Prof. Dr. Siegfried Jetzke Grundlagen der modernen Logistik - Methoden und Lösungen, Carl Hanser Verlag; München, 2007, ISBN/ISSN 978-3-446-40459-5
Glossar
Versender Versender (auch Verlader genannt) sind Unternehmen, die Transportleistungen und verwandte logistische Dienstleistungen für ihre Sendungen nachfragen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?401828

Gedruckt am Sonntag, 14. Juli 2024 09:48:54