Produktgruppen des konventionellen Schienenpersonenfernverkehrs
Erstellt am: 17.10.2012 | Stand des Wissens: 22.04.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechperson
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Nachdem die Bundesbahn und ihre Fernverkehrssparte aufgrund der Massenmotorisierung der Bevölkerung nicht mehr kostendeckend operierten, wurden 1979 das sogenannte System "IC 79" und die Zuggattung InterCity (IC) eingeführt, im Rahmen dessen noch heute gültige, grundlegende Angebotsmerkmale eingeführt wurden. Dazu zählen Faktoren wie ein durchgängiger Stundentakt mit großen Haltestellenabständen zwischen den bedeutendsten Städten der Bundesrepublik Deutschland und die Einrichtung von Korrespondenzhalten, welche es den Fahrgästen in bestimmten Kontenbahnöfen erlauben, mit geringem Zeitaufwand zwischen unterschiedlichen, am gleichen Bahnsteig haltenden Zügen umzusteigen. [Jaen09, S. 263 ff.]
Der EuroCity (EC) stellt die korrespondierende Zuggattung im internationalen Schienenpersonenfernverkehr (SPFV) dar. Sie wurde 1987, zunächst nur auf Westeuropa beschränkt, eingeführt. Heute erschließt das EC-Netz auch große Teile Europas inklusive seines östlichen Teils, wobei durch Deutschland auf Grund seiner geographischen Lage mehrere EC-Linien geführt werden. Als EC- wie auch IC-Züge wird ein lokbespannter Fahrzeugpark eingesetzt. [Zöll11, S. 7 f.]
Gegenwärtig besteht das IC-/EC-Netz der DB Fernverkehr AG aus 21 Linien (Abbildung 1). Mittels circa 955 Reisezugwagen wurden im Jahr 2020 24,8 Millionen mitfahrende Personen über eine mittlere Reiseweite von etwa 215 Kilometern befördert. Dementsprechend ergab sich für die IC-/EC-Flotte eine Gesamtverkehrsleistung von circa 5,3 Milliarden Personenkilometern (Pkm). [DBAG20i, S. 19]
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Neben konventionellen schienengebundenen Tagesverkehrsangeboten beinhaltet das deutsche SPFV-Angebot, sowie das der meisten Eisenbahnen Europas, auch Nachtzugverbindungen als weitere Produktalternative zur Überbrückung längerer Beförderungsdistanzen. Bedingt durch die adäquate Reiseentfernung für Nachtzugangebote von circa 600 bis 1.500 Kilometer verkehren die meisten Nachtzüge auf internationalen Routen. Dank der relativ großen Flächenausdehnung Deutschlands eignen sich jedoch auch Binnenrelationen wie zum Beispiel Berlin - München oder Hamburg - Karlsruhe zur Überwindung in einem Nachtreisezug. In Abhängigkeit des jeweils eingesetzten Rollmaterials offerieren diese nächtlich geführten Fernreisezüge verschiedene Unterbringungskategorien, welche von gewöhnlichen Sitzwagenplätzen bis hin zu komfortablen Einzelschlafwagenabteilen reichen.
Die Position des Nachtzugverkehrs wurde in den letzten Jahren geschwächt. Zum einen verkürzt der Hochgeschwindigkeitsschienenverkehr die Reisezeiten zum Teil erheblich, zum anderen hat sich eine veritable Konkurrenz in Form der Low-Cost-Fluggesellschaften etabliert. Seit der Liberalisierung des Fernbusmarkts in Deutschland (2013) stellen auch nächtliche Fernbuslinien ein Konkurrenzprodukt dar. Im intermodalen Wettbewerb wirken sich die im Vergleich zum Flugzeug höhere entfernungsbezogene [Grenz]kosten (zum Beispiel Eisenbahninfrastrukturnutzungsentgelte) ebenfalls negativ aus. Diese schmälern die Attraktivität von Nachtzugangeboten mit zunehmender Entfernung [ScHö07c, S. 520 f.; SaOl14, S. 68 ff.; Wein14a, S. 249]. Seit Ende 2021 wurde der Nachtzugverkehr im deutschen SPFV wieder aufgenommen. Damit bieten sie eine umweltfreundliche Alternative zum Fliegen an.
Der Deutsche Bahn AG Konzern (DB AG) betrieb als Eigentümerin der DB Autozug GmbH bis 2013 den Nachtzugverkehr [DBAG13a, S. 18]. Die DB Autozug GmbH ist jedoch Ende 2013 aufgelöst worden und ging in der DB Fernverkehr AG auf. Daraufhin wurde das Nachtzugliniennetz, welches unter dem Produktnamen City Night Line firmierte, noch bis Ende 2016 von der DB Fernverkehr AG betrieben. Heutzutage kooperiert die DB AG mit europäischen Eisenbahnunternehmen wie beispielsweise der ungarischen MAV-START, der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und der Schweizerischen Bundesbahnen [DBAG21d]. Das Angebot der DB für Reisen über Nacht wird in Abbildung 2 dargestellt. Es enthält nächtliche Verbindungen mit ICE, IC und EC [DBAG21c]. Sitz-, Liege- oder Schlafwagen können die Mitfahrenden etwa über die ÖBB nutzen, welche mit ihrem ÖBB Nightjet-Angebot Verbindungen zum Beispiel zwischen Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Schweden, Italien, Kroatien, Österreich, Tschechien und Slowakei anbietet. In den nächsten Jahren soll das Nachtnetz durch weitere Kooperationen deutlich wachsen.
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