Fahrleistungsbezogenes Unfallrisiko - Low Mileage Bias
Erstellt am: 13.08.2012 | Stand des Wissens: 08.01.2025
Ein oft diskutiertes Thema ist das erhöhte Unfallrisiko älterer Autofahrer.
Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass Autofahrer zwischen 60 und 64 Jahren kein erhöhtes Risiko haben, an Unfällen beteiligt zu sein. Im Gegensatz dazu weisen jüngere Autofahrer ein dreifach so hohes Unfallrisiko auf, wie die Gruppe der 60- bis 64-Jährigen. Erst im Alter von 75 Jahren erhöht sich das statistische Unfallrisiko. Dieses nimmt ab einem Alter von 85 Jahren noch stärker zu, siehe dazu Abbildung 1 [Ba06; LoSe07].
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Neben der "frailty bias" bleibt die Wirkung einer niedrigeren zurückgelegten Kilometerzahl auf Unfälle ("low mileage bias") in den Statistiken unberücksichtigt.
[Ja91] stellte als Erster die Vermutung auf, dass Autofahrer, die kürzere Distanzen zurücklegen, eine höhere Unfallrate haben, da sie insbesondere auf lokalen Straßen mit mehr Konfliktstellen fahren [Schlag08]. [Haetal02] nannten später diese Feststellung "low mileage bias". Dieser Begriff beschreibt den Effekt, dass Autofahrer, die eine geringe jährliche Fahrleistung mit weniger als 3000 Kilometer pro Jahr erreichen, ein höheres Unfallrisiko haben als Autofahrer, die jährlich mehr Kilometer fahren [Haetal02].
In der Abbildung 2 ist zu ebenfalls zu erkennen, dass mit zunehmendem Alter sich, unter anderem durch den Eintritt ins Rentenalter und dem Wegfall des Arbeitsweges, die aktive Verkehrsteilnahme als Autofahrer reduziert.
In der Abbildung 2 ist zu ebenfalls zu erkennen, dass mit zunehmendem Alter sich, unter anderem durch den Eintritt ins Rentenalter und dem Wegfall des Arbeitsweges, die aktive Verkehrsteilnahme als Autofahrer reduziert.
![Durchschnittliche tägliche Fahrleistung [km] nach Altersgruppe in Deutschland fahrleistung.png](/servlet/is/396531/fahrleistung.png)
Vor diesem Hintergrund analysierten [Haetal02] die Unfallraten von jüngeren und älteren Autofahrern genauer. Dabei ergab sich, dass ältere Autofahrer kein erhöhtes Unfallrisiko aufweisen, wenn die jährlich gefahrenen Kilometer berücksichtigt werden. Die Auswirkung ist in der Abbildung 3 dargestellt. [Laetal06] untersuchten ältere und jüngere niederländische Autofahrer unter Berücksichtigung der jeweils im Jahr gefahrenen Kilometer und kommen zu dem Ergebnis, dass ältere Autofahrer genauso sicher oder sogar sicherer fahren als jüngere Autofahrer.
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Die Kritiker der "low mileage bias"-Theorie weisen auf die Nutzung von selbstberichteten und damit subjektiv bewerteten Daten hin [Laetal08; StGiJo08]. Um weiterhin valide Ergebnisse zu sichern, muss ein objektives Maß benutzt werden, wie beispielsweise der Stand der Kilometerzähler [Laetal08].
Zudem nimmt entsprechend dem "fraility bias" das Risiko bei einem Unfall verletzt zu werden mit dem Alter zu. Es ist möglich, dass nicht alle Unfälle ohne Verletzte polizeilich erfasst werden [Loetal07].