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Forschung und Entwicklung im Bereich der Intelligenten Verkehrssysteme

Erstellt am: 15.01.2011 | Stand des Wissens: 05.03.2025

Synthesebericht gehört zu:
Ansprechperson
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Die Forschung und Entwicklung von Intelligenten Verkehrssystemen (IVS, englisch: ITS) wird auf unterschiedlichen Ebenen gefördert:
  • Europäische Union (EU)
  • Bundesministerien
  • bundesweite Gremien
  • Unternehmen
  • Länderministerien und forschungsgetriebene Technologiecluster
Die Abgrenzung zwischen den einzelnen Fördergebern richtet sich einerseits nach dem räumlichen Bezug der Entwicklung und andererseits nach der Interessenslage der jeweiligen Ebene und der erforderlichen Abstimmung in der fokussierten Thematik. So sind Themen mit Einfluss auf europaweite beziehungsweise intereuropäische Entwicklungen in den Forschungsrahmenprogrammen der EU angesiedelt. Themen, die hauptsächlich im Interesse der deutschen Wirtschaft und/oder der öffentlichen Hand liegen, werden über die Bundesministerien oder die bundesweiten Gremien gefördert. Auch auf Länderebene findet die Förderung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Bereich der IVS statt, die oft durch forschungsgetriebene Technologiecluster des jeweiligen Landes erfolgt. Eine Besonderheit bilden Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von kleineren und mittleren Unternehmen (KMU), die sich auf allen Ebenen mit jeweils unterschiedlichen Vorhaben wiederfinden.
Auf europäischer Ebene gab es in der Vergangenheit acht Forschungsrahmenprogramme, die Projekte aus allen Forschungsbereichen förderten. Im 9. Forschungsrahmenprogramm Horizont Europa (2021-2027) ist das Thema Verkehr Bestandteil des Clusters Klima, Energie und Mobilität, für das ein Budget von 15 Milliarden Euro eingeplant ist. [BMBF21]
Auf Bundesebene fördert das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) seit 2016 durch die Forschungsinitiative mFUND (Modernitätsfonds) Projekte zum Thema digitale datenbasierte Anwendungen für die Mobilität 4.0. Dabei werden Vorhaben durch die mFUND-Förderlinie 1 mit maximal 200.000 Euro und Vorhaben durch die mFUND-Förderlinie 2 mit maximal drei Millionen Euro unterstützt. Neben der Förderung von Projekten ist eine weitere Aufgabe der Initiative die Vernetzung von Akteuren aus der Politik, Wirtschaft und Forschung. [BMDV24an]
Beispielhaft ist das Projekt TransFAIrTarif (Kundenzentrierte, multimodale Tarif- und Zonenoptimierung für Linien- und On-Demand-Verkehre mit Methoden der KI) zu nennen, das zum Ziel hat, ein Tool zur datenbasierten und kundenzentrierten Optimierung der Tarifstruktur im ÖPNV unter Berücksichtigung multimodaler Mobilitätsoptionen zu entwickeln. Dabei wird am Beispiel des Verkehrsverbunds Ingolstadt auf Basis von realen Kundenpräferenzen mithilfe von KI-Methoden die Optimierung der Tarifstruktur angestrebt. Das Projekt soll bis Mai 2026 mit circa 200.000 Euro Fördergeldern unterstützt werden. [BMDV24an]
Ein weiteres nennenswertes Projekt ist die Mobilithek, welche den Mobilitäts Daten Marktplatz (MDM) als Nationalen Zugangspunkt für Mobilitätsdaten ersetzt. Die Mobilithek stellt die nationale Plattform zum Austausch digitaler Informationen von Mobilitätsanbietern, Infrastrukturbetreibern und Verkehrsbehörden sowie Informationsanbietern dar. Sie bietet damit die Grundlage zur Umsetzung der Anforderung der delegierten Verordnungen zur europäischen IVS-Richtlinie (2010/40/EU und 2023/2661/EU). [BMDV22w]

In Ergänzung zur reinen Ressortforschung des Bundesverkehrsministeriums werden Innovationen auch in Zusammenarbeit mit Unternehmen und bundesweiten Gremien, insbesondere der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), gefördert. Im Zuge des Leitziels die Verkehrseffizienz und Verkehrssicherheit zu erhöhen, haben 2015 zum Beispiel das BMVI, der Verband der Automobilindustrie e.V., der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. und der Freistaat Bayern das Digitale Testfeld Autobahn (DTA) entwickelt. Dadurch wird den Projektideen zum Thema automatisiertes Fahren und intelligente Infrastruktur Raum geboten, sich zu entwickeln und zu testen. [BASt21] Im Bereich der intelligenten Infrastruktur ist beispielsweise das Projekt Intelligente Glättevorhersage zu nennen, bei welchem bereits ein hohes Potenzial für die Einführung automatisierter Systeme zur Überwachung gefährlicher Fahrbahnzustände im Winter festgestellt wurde. [DTA20]
Ansprechperson
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verkehrstelematik (Stand des Wissens: 05.03.2025)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?340318
Literatur
[BASt21] Bundesanstalt für Straßenwesen (Hrsg.) Digitales Testfeld Autobahn, 2021
[BMBF21] Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.) Horizont Europa - Budget , 2021
[BMDV22w] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Mobilithek: Deutschlands Plattform für Daten, die etwas bewegen, 2022/07/01
[BMDV24an] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) mFUND - Unsere Förderung für die Mobilität der Zukunft, 2024/12/23
[DTA20] Digitales Testfeld Autobahn - Intelligente Glättevorhersage, 2020/02
Weiterführende Literatur
[BMVI19w] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Bidirektional, Multimodal, Vernetzt - BiDiMoVe, 2019/07/19
[BMWI15] Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (Hrsg.) C-ITS - Intelligente Verkehrssysteme auf Autobahnen, 2015
[RealLabHH] RealLab Hamburg, 2020
Glossar
KMU Kleine und Mittelere Unternehmen Eine einheitliche Definition existiert für diesen Wirtschaftsbereich nicht. Zur wissenschaftlichen und politischen Auseinandersetzung mit dem Mittelstand (KMU) gehört in jedem Fall die Strukturierung des Unternehmensbestandes nach Größenklassen. In Ermangelung weiterer typisierender Daten beschränkt sich die Beschreibung von Unternehmensgrößenstrukturen in der Regel auf die Merkmale "Umsatz" und "Zahl der Beschäftigten". Gegebenenfalls sind zusätzlich qualitative Erklärungs- und Beschreibungsmerkmale einzubeziehen. Siehe dazu Institut für Mittelstandsforschung Bonn. Kleine und mittlere Unternehmen (definiert durch die Europäische Kommission): Definition von KMU durch die EU bis Ende 2004 (Empfehlung des Rates 96/280/EG): Mittlere Unternehmen: Weniger als 250 Mitarbeiter und Umsatz bis 40 Mio. Euro oder Bilanzsumme bis 27 Mio. EUR Kleine Unternehmen: Weniger als 50 Mitarbeiter und Umsatz bis 7 Mio. Euro oder Bilanzsumme bis 5 Mio. EUR Kleinstunternehmen: Weniger als 10 Mitarbeiter, keine Grenzen bezüglich Umsatz oder Bilanzsumme Definition von KMU durch die EU ab 1. Januar 2005 (Empfehlung des Rates 2003/361/EG): Mittlere Unternehmen: Mitarbeiter bis 249 und Umsatz bis 50 Mio. EUR oder Bilanzsumme bis 43 Mio. EUR. Kleine Unternehmen: bis 49 Beschäftigte, Umsatz bis 10 Mio. EUR oder Bilanzsumme bis 10 Mio. EUR Kleinstunternehmen: bis 9 Mitarbeiter, Umsatz oder Bilanzsumme bis 2 Mio. EUR (beide finanziellen Schwellenwerte waren hier bisher nicht definiert). Die Ein-Personen-Gesellschaft wird auch in der Neudefinition weiterhin als eigene Kategorie geführt.
BASt Bundesanstalt für Straßenwesen
ITS Intelligent Transportation Systems (ITS) ist der Oberbegriff für Transportsysteme, die Informations- und Kommunikationstechnologie zur Unterstützung des Betriebes einsetzen. ITS-Funktionen unterstützen den Fahrer eines Transportmittels, sie sind damit deutlich von automatischen Transportsystemen zu differenzieren, die auf einen fahrerlosen Betrieb abstellen. Die wichtigsten neuen und zum Teil noch in Entwicklung befindlichen Anwendungsfelder zielen auf (1) Verkehrs- und Transportmanagement (Verkehrsinformationen, Verkehrslenkung, Verkehrs- und Parkleitsysteme, automatische Unfallmeldungen, Meldesysteme zum Gefahrgutmonitoring); (2) Elektronische Systeme zur Gebührenerhebung; (3) Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (dynamische Fahrgastinformationen, Reservierung, spezifische Informationssysteme für Fahrradfahrer und Fußgänger, Steuerung individueller öffentlicher Verkehrsmittel); (4) Systeme zur Unterstützung der Fahrzeugsicherheit (Kollisionsdetektoren, Sektorisierung von Verkehrswegen).
Öffentlicher Personennahverkehr
Der öffentliche Personennahverkehr ist juristisch im Personenbeförderungsgesetz (PBefG) definiert. Laut Paragraf 8, Absatz 1 und 2 umfasst der ÖPNV "die allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Straßenbahnen, Obussen und Kraftfahrzeugen im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen". Taxen oder Mietwagen können dieses Angebot ersetzten, ergänzen oder verdichten.
Der Begriff ÖPNV bezieht sich in der Regel auf Strecken mit einer gesamten Reiseweite von weniger als 50 Kilometern oder einer gesamten Reisezeit von weniger als einer Stunde. Das in einer Stadt oder Region erforderliche Nahverkehrsangebot und dessen Eignung hinsichtlich Nachhaltigkeit und Klimaschutz wird in einem Nahverkehrsplan definiert und festgehalten.
BMDV
Bundesministerium für Digitales und Verkehr (bis 10/2005 BMVBW, bis 12/2013 BMVBS und bis 11/2021 BMVI)
Verkehrseffizienz
Beurteilungskriterium, welches beschreibt, inwieweit verkehrliche Maßnahmen, wie beispielsweise Ersparnisse in Fahrzeit, Spritverbrauch und Abgasausstoß, dass vorgegebene Ziel in einer bestimmten Art und Weise erfüllen
MDM Der MDM: Mobilitäts Daten Marktplatz ist ein zentrales Online-Portal, das Verkehrsdaten bereitgestellt, um damit durch den vereinfachten Datenaustausch mit Dritten sowie durch den Zugang für private Dienstleistungsanbieter neue Möglichkeiten im Bereich des Verkehrsmanagements und Serviceangebote zu ermöglichen. Die Bundesanstalt für Straßenwesen ist im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums für den Betrieb dieser Austauschplattform zuständig.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?339443

Gedruckt am Donnerstag, 3. April 2025 19:24:19