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Freiwillige vs. verpflichtende Kohlenstoffmärkte

Erstellt am: 14.11.2010 | Stand des Wissens: 15.02.2024
Ansprechpartner
IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.

Neben staatlich regulierten Kohlenstoffmärkten - sogenannten compliance markets - erlangen auch freiwillige Mechanismen - sogenannten voluntary markets - eine immer größere Bedeutung.
Im Falle von staatlich regulierten Märkten erwerben und verkaufen Akteure Zertifikate, um ihren rechtlichen Verpflichtungen nachzukommen. Teils ist hier sogar die Teilnahme verpflichtend (zum Beispiel für Unternehmen im EU ETS). Teils ist die Teilnahme aber auch freiwillig und nur die rechtliche Verpflichtung verbindlich, so war es beispielsweise früher im Kyoto-Protokoll: Zwar müssen die Vertragsstaaten eine bestimmte Treibhausreduktionsleistung erbringen. Ob diese durch Teilnahme an der im Kyoto-Protokoll normierten flexiblen Mechanismen (CDM, JI oder Emissionshandel) oder durch eigene Emissionsreduktionsleistung erbracht wurde, stand den Staaten allerdings frei. [StAr10, S. 13]
Im Rahmen der voluntary markets können Akteure freiwillig teilnehmen und Zertifikate erwerben, um die eigenen Emissionen auszugleichen (sogenanntes offsetting). Die Zertifikate bilden Emissionsreduktionen in Klimaschutzprojekten ab. So können die Akteure, zum Beispiel private Unternehmen, eigene Emissionen beziehungsweise Emissionen in der Wertschöpfungskette kompensieren, um ihren internen Ansprüchen auf Klimaneutralität nachzukommen. Bekannte Standards im Rahmen des freiwilligen Offsetting sind Gold Standard oder Verra. Diese Offsetting-Standards sind als Crediting-Systeme ausgestaltet. [Betz22, S. 3] Teils sehen freiwillige Standards bezüglich Qualität und Verifikation sogar striktere Vorgaben vor als staatlich regulierte Mechanismen, andere litten unter Qualitätsmängeln. Derzeit stehen insbesondere Waldschutzprojekte stark in der Kritik, ihren Nutzen für das Klima zu hoch einzuschätzen. [Betz22, S. 8; OxEn22; FiKn23; Guar23]
Ansprechpartner
IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.
Literatur
[Betz22] Regina Betz, Axel Michaelowa, Paula Castro, Raphaela Kotsch, Michael Mehling, Katharina Michaelowa, Andrea Baranzini The Carbon Market Challenge - Preventing Abuse Through Effective Governance, veröffentlicht in Cambridge University Press, 2021/09/12
[Guar23] The Guardian (Hrsg.) Revealed: more than 90% of rainforest carbon offsets by biggest certifier are worthless, analysis shows, 2023/01/18
[OxEn22] The Oxford Institute For Energy Studies (Hrsg.) Article 6 and Voluntary Carbon Markets, 2022/05
[SRU2002] Rat von Sachverständigen für Umweltfragen Umweltgutachten 2002, Berlin, 2002/04/15
[StAr10] Wolfgang Sterk, Christof Arens Investitionen für den Klimaschutz - die projektbasierten Mechanismen CDM und JI, 2010/01
Glossar
EU-Emissionshandelssystem Das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) ist ein 2003 vom Europäischen Rat und dem Europäischen Parlament beschlossenes marktwirtschaftliches Instrument, die im Kyoto-Protokoll gesetzten Klimaschutzziele zu erreichen. Anlagenbetreiber (zur Zeit sind etwa 11.000 Fabriken und Kraftwerke erfasst) müssen bei Überschreiten der ihnen fest vorgegebenen Emissionsberechtigungen Strafen bezahlen (100 Euro pro Tonne CO2), sofern keine Zertifikate zur Tilgung vorgelegt werden können. Diese Zertifikate vergeben solche Betreiber, die die o.g. Grenzwerte unterschritten haben. Die Nachweispflicht liegt in jedem Fall bei dem Anlagenbetreiber.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?333559

Gedruckt am Samstag, 20. April 2024 12:19:03