Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Preisliche Instrumente zur Internalisierung negativer externer Effekte

Erstellt am: 14.11.2010 | Stand des Wissens: 15.02.2024
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.

Preisliche Instrumente zur Internalisierung negativer externer Effekte erhöhen den Preis von Gütern durch Gebühren und Abgaben, sodass die negativen Auswirkungen auf Dritte im Marktpreis enthalten sind. Aufgrund des höheren Preises kommt es für gewöhnlich zu einem Rückgang in der Nachfrage nach dem betroffenen Gut. Somit wird auch der Ausstoß von Schadstoffen gemindert. Beispiele für preisliche Instrumente stellen die Energiesteuer (EnergieStG), Straßennutzungsgebühren (Maut) und die Kraftfahrzeugsteuer (KraftStG) dar.

Im Konsumverhalten spielt für gewöhnlich der eigene Nutzengewinn eine größere Rolle, als der Nutzenverlust meist unbekannter Dritter durch mögliche negative externe Effekte. Da ohne eine Internalisierung weder Verbrauchende noch Produzierende die Schäden an Dritten kompensieren muss, können die Güter zu einem günstigeren Preis angeboten werden. Durch den geringeren Preis werden die Güter vermehrt nachgefragt und die optimale Angebotsmenge wird überschritten. Um dem entgegenzuwirken, werden Steuern auf die entsprechenden Güter oder auf ihre Nutzung erhoben (vgl. dazu auch Synthesebericht Pigou-Steuer).

Oft kann die Wirkung einer Steuer auf das Emissionsniveau nicht genau vorhergesagt werden. Die ökologische Treffsicherheit von preislichen Instrumenten wird durch iterative Veränderung der Steuerhöhe gewährleistet. Ist etwa das Emissionsniveau nach der Implementierung einer Steuer weiterhin zu hoch, werden die Steuern erhöht um die ökologische Treffsicherheit zu gewährleisten. [Fees07]

Die preislichen Instrumente sind bei konsequenter Anwendung kosteneffizient, da Unternehmen so lange emittieren, bis die Emissionssteuer plus die Herstell- oder Nutzungskosten des Produktes gleich dem Grenzerlös oder Grenznutzen sind. Dasselbe gilt für Verbrauchende. Bei einer Emissionssteuer von 80 Cent pro Liter Benzin wägen der Fahrende ab, ob der Nutzengewinn aus der Fahrt die Mehrkosten rechtfertigt. Für alle Beteiligten gleichen sich die Emissionskosten und entsprechen dem Steuersatz. [Fees07]

Preisliche Instrumente weisen bei verlässlicher zukünftiger Entwicklung auch einen dynamisch effizienten Charakter auf. Sofern zu erwarten ist, dass im Laufe der Zeit der Steuersatz erhöht wird, forciert dieser langfristige Investitionen in die Entwicklung und Anwendung neuer Vermeidungstechnologien, um somit zukünftige Steuerzahlungen zu vermeiden.

Die politische Durchsetzbarkeit hängt stark vom Einzelfall ab. Je länger ein Instrument bereits in der Anwendung ist und je mehr Erfahrung mit dieser Art von Instrument schon gesammelt wurde, desto größer ist oftmals die Akzeptanz. In Deutschland ist daher beispielsweise eine Erhöhung der Mineralölsteuer einfacher durchsetzbar als eine Straßenmaut für Pkw in ähnlichem Umfang.
Ansprechpartner
IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Internalisierung negativer externer Effekte (Stand des Wissens: 20.02.2024)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?333625
Literatur
[Fees07] Feess, Eberhard, Prof. Dr. Umweltökonomie und Umweltpolitik, Ausgabe/Auflage 3. Auflage, Vahlen Verlag München, 2007, ISBN/ISSN 3800633507
Rechtsvorschriften
[EnergieStG] Energiesteuergesetz (EnergieStG)
[KraftStG] Kraftfahrzeugsteuergesetz (KraftStG)
Glossar
Grenznutzen Der Grenznutzen beschreibt den Nutzen der nächsten zu konsumierenden Einheit eines Gutes. Im Allgemeinen wird angenommen, dass der Grenznutzen umso geringer wird, je mehr zuvor von dem Gut konsumiert wurde. Der Grenznutzen ist also abhängig von der konsumierten Gesamtmenge. Sinkt der Grenznutzen auf null, bringt der Konsum des Gutes dem Konsumenten keinen Nutzenzuwachs.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?333523

Gedruckt am Donnerstag, 25. Juli 2024 14:34:41