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Ex-ante-Regulierungsverfahren

Erstellt am: 25.03.2010 | Stand des Wissens: 17.06.2023
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Infrastrukturwirtschaft und -management - Prof. Dr. Thorsten Beckers
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Die Kostenzuschlagsregulierung und die Anreizregulierungsverfahren stellen die wesentlichen Verfahren für eine Ex-ante-Regulierung dar. Bei einer Kostenzuschlagsregulierung wird dem regulierten Unternehmen zugesichert, dass es seine Kosten abdecken kann, und es gilt daher grundsätzlich Preis gleich Durchschnittskosten (P = DK). Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch die Kapitalverzinsung (auf das Eigen- und Fremdkapital) als Kosten eingestuft wird. Die Kostenzuschlagsregulierung wird daher in der Praxis zum Teil auch als Renditenregulierung bezeichnet, wobei zwischen einer idealtypischen Kostenzuschlags- und einer idealtypischen Renditenregulierung geringfügige Unterschiede bestehen [z. B. Fees04a und Knie08].

Als zentrales Charakteristikum einer Anreizregulierung wird in dieser Wissenslandkarte eingestuft, dass einem regulierten Unternehmen Kostenrisiko und damit Gewinnchancen übertragen werden, um dadurch Anreize zu einer effizienten Leistungserstellung zu setzen und die jeweils vorliegenden Regulierungsziele in einem höheren Maße zu erreichen. Die Bandbreite von Verfahren, die als Anreizregulierung eingestuft werden können, ist recht groß. Folgend wird auf zwei Ausgestaltungsmöglichkeiten einer Anreizregulierung eingegangen: eine "kostenorientierte Anreizregulierung" und eine "idealtypische Anreizregulierung".

Bei der hier als "kostenorientierte Anreizregulierung" bezeichneten Regulierung werden bei der Vorgabe der Regulierungsrestriktion (bezüglich der Einnahmen beziehungsweise Preise) durchaus zu beobachtende Kosten des Unternehmens berücksichtigt, was die Gewinnerzielung durch das regulierte Unternehmen begrenzt. Allerdings wird in einem gewissen Umfang auch Kostenrisiko an das regulierte Unternehmen im Hinblick auf die Etablierung von Anreizen übertragen. Damit weist eine "kostenorientierte Anreizregulierung" eine große Nähe zu der bei der britischen Flughafenregulierung und auch der Regulierung in einigen anderen Sektoren in Großbritannien zu beobachtenden Praxis auf [HeAn04].

Bei einer idealtypischen Anreizregulierung gemäß der Verwendung dieser Bezeichnung in dieser Wissenslandkarte liegt in Anlehnung an in der Literatur diskutierte Modelle grundsätzlich kein Kostenbezug vor, was sehr hohe Effizienzanreize bezüglich der Leistungserstellung etabliert (zum Beispiel zur Price-Cap-Regulierung als wesentliche Ausprägung einer idealtypischen Anreizregulierung [Knie08]). Allerdings ist zu beachten, dass die wohlfahrtsökonomische Kosteneffizienz nicht nur durch die Effizienz der realwirtschaftlichen Produktion, sondern auch durch Risikokosten beeinflusst wird, weshalb - insbesondere bei geringeren Risikokosten auf Seiten der Nachfrager als beim regulierten Unternehmen - eine entsprechende Risikoübertragung auch aus wohlfahrtsökonomischer Sicht nicht in jedem Fall vorteilhaft sein muss. Die relativ hohen Gewinnerzielungspotenziale bei einer derartigen idealtypischen Anreizregulierung führen dazu, dass diese im Hinblick auf Kosteneffizienz gemäß der in dieser Studie verwendeten Definition, welche Nutzerinteressen berücksichtigt, schlechter abschneidet als bei einer rein wohlfahrtsökonomischen Bewertung.

Im Rahmen einer idealtypischen Anreizregulierung, die auf den Price-Cap-Ansatz zurückgreift, werden - im Vergleich zu einer Kostenzuschlagsregulierung - grundsätzlich recht hohe Anreize auch im Hinblick auf eine effiziente Bereitstellung (und damit eine Erreichung der Ziele der allokativen Effizienz (im engen Sinne) gesetzt, was sich insbesondere auf die Preisstruktur bezieht.

Bei der praktischen Implementierung einer idealtypischen Anreizregulierung bestehen zum Teil jedoch erhebliche Probleme, zunächst aufgrund von Kontrahierungsproblemen und aus Transaktionskostengründen sowie aufgrund von "Commitment-Problemen" des Regulierers. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass in der Praxis regelmäßig lediglich Elemente einer derartigen Regulierung umgesetzt werden.
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Flughafenregulierung (Stand des Wissens: 16.06.2023)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?302668
Literatur
[Fees04a] Feess, E. Mikroökonomie - Eine spieltheoretisch- und anwendungsorientierte Einführung, Ausgabe/Auflage 3. Auflage, Metropolis-Verlag Marburg, 2004
[HeAn04] Hendriks, D., Andrew, N. Airport Regulation in the UK, veröffentlicht in The Economic Regulation of Airports - Recent Developments in Australasia, North America and Europe, 2004
[Knie08] Knieps, G. Wettbewerbsökonomie - Regulierungstheorie, Industrieökonomie, Wettbewerbspolitik, Ausgabe/Auflage 3. Auflage, Springer Berlin/Heidelberg, 2008
[NERA04c] NERA - NATIONAL ECONOMIC RESEARCH ASSOCIATES Enhancement Framework in Regulated Utilities - A Report for Network Rail and ORR, 2004

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?302181

Gedruckt am Sonntag, 14. Juli 2024 09:19:21