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Flotten- und Fuhrparkmanagementsysteme

Erstellt am: 18.12.2002 | Stand des Wissens: 09.11.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Der Begriff Flottenmanagement beschreibt alle notwendigen Aufgaben und Tätigkeiten zum effizienten Betrieb der Fahrzeugflotte eines Unternehmens. Diese Aufgaben und Tätigkeiten umfassen die zielgerichtete Disposition, Steuerung und Kontrolle des Fuhrparks und werden mit so genannten Flottenmanagementsystemen ausgeführt [Jung01; Schd10]. Zudem müssen Anforderungen der Nachhaltigkeit, des Umweltschutzes und die Sicherheit der Fahrer gewährleistet werden. Aufgrund der zunehmenden Komplexität dieser Aufgabe arbeiten Flottenmanagementsysteme mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien, zum Beispiel mit Bordcomputern oder GPS (Global Positioning System).

Der Mehrwert von Flottenmanagementsystemen wird durch die direkte Kommunikation zwischen Disponent und Fahrzeug erzeugt. So können viele Fahrzeuge gleichzeitig disponiert werden und es kann flexibel auf veränderte Anforderungen reagiert werden. Ineffiziente Leerfahrten und teure Stillstandszeiten der Fahrzeuge lassen sich so minimieren und Kosten einsparen. Der Markt für Flottenmanagementsysteme zeichnet sich durch eine Vielzahl von Produkten aus, die in Preis und Leistung stark variieren.

Klassische Aufgabenfelder von Flottenmanagementsystemen sind:
  • Beschaffung und Dimensionierung der Fahrzeugflotte,
  • Laufende Sicherung der Betriebsbereitschaft durch systematische Wartungs- und Kontrollsysteme,
  • Tägliche Fahrzeugeinsatzplanung, Tourenplanung und Verfolgung (Fahrzeugnavigation und -ortung),
  • Controlling,
  • Fuhrparkverwaltung beziehungsweise Fuhrparkwerkstattverwaltung [Gable00].
Ein Anwendungsbeispiel stellt WIDAS (Wissensbasiertes Disponentenarbeitsplatzsystem für Speditionen) dar. Dieses dient als Entscheidungsunterstützungssystem für die Touren- und Routenplanung in bedarfsgesteuerten Verkehrssystemen. Transportaufträge werden unter Berücksichtigung unterschiedlicher Restriktionen zu Touren zusammengefasst (Clustering). Anschließend werden Fahrtrouten der einzelnen Transportmittel ermittelt. Zur Lösung des Clustering-Problems werden drei verschiedene Verfahren angewendet:
  • Clustering nach benutzerdefinierten Zonen: Diese basieren auf der Erfahrung des Unternehmens
  • Winkelmethode: Ausgehend vom Firmenstandort wird der Raum in bestimmte Winkel unterteilt
  • Gruppierungsmethode: Basiert auf der Analyse der Auftragsverteilung im Dispositionsgebiet. Zunächst werden die am nächsten liegenden Stationen zusammengefasst. Danach wird versucht, nicht erfasste Stationen in die nächsten Cluster aufzunehmen. Anschließend wird geprüft, ob Cluster mit geringer Ladung auf benachbarte Touren aufgeteilt werden können, um eine Fahrt einzusparen.
In einzelnen Fällen konnten durch den Einsatz von WIDAS bis zu 45 Prozent der Dispositionskosten eingespart werden [Schn07a]. Darüber hinaus wird das Konzept der digitalen Spedition verfolgt, das die vollständige Automatisierung aller Prozesse umfasst [DiFi17].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Nachhaltige Transportorganisation und -kooperationen (Stand des Wissens: 09.11.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?350474
Literatur
[DiFi17] Dietrich, Alf, Fiege, Felix Digitale Transformation des Speditionsgeschäfts umfasst mehr als Spedition 4.0, 2017
[Gable00] Krieger, W., Klaus, Peter, Prof. Gabler Lexikon Logistik (2. Auflage), Ausgabe/Auflage 2. Auflage, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden, 2000
[Jung01] Jürgen Jung, Bodo L. van Laak Flottenmanagementsysteme - Grundlegende Technologien, Funktionen und Marktüberblick, 2001/07
[Schd10] Eckehard Schnieder (Hrsg.) Flottenmanagement, veröffentlicht in Verkehrsleittechnik, 2010
[Schn07a] Eckehard Schnieder Verkehrsleittechnik, Ausgabe/Auflage 1, 2007
Weiterführende Literatur
[KlKr08] Krieger, W., Klaus, Peter, Prof. Gabler Lexikon Logistik (4. Auflage), Ausgabe/Auflage 4. Auflage, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden, 2008, ISBN/ISSN 978-3-8349-0149-1
Glossar
Global Positioning System Global Positioning System (GPS), offiziell NAVSTAR GPS, ist ein globales Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung und Zeitmessung. GPS basiert auf Satelliten, die mit kodierten Radiosignalen ständig ihre aktuelle Position und die genaue Uhrzeit ausstrahlen. Aus den Signallaufzeiten können GPS-Empfänger dann ihre eigene Position und Geschwindigkeit berechnen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?24684

Gedruckt am Donnerstag, 30. Mai 2024 11:35:29