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Lärm als Qualitätsmerkmal des ÖV

Erstellt am: 04.10.2007 | Stand des Wissens: 21.10.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr, Prof. Dr.-Ing. R. König

Der Lärm eines öffentlichen Verkehrsmittels ist einerseits für den Kunden und andererseits für den Anlieger, und damit die Öffentlichkeit, wesentlich. Den Kunden interessiert in erster Linie der Lärm innerhalb des Fahrzeuges, den Anlieger die Lärmemission des Gesamtsystems. Letztere entscheidet zunehmend über die Akzeptanz des Systems an sich.

Während die geräuschseitigen Qualitätsanforderungen an Kraftfahrzeuge seit drei Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen sind, müssen Hersteller von Schienenfahrzeugen und (Eisenbahn-)Verkehrsunternehmen mit diesem Thema noch sensibler umgehen. Die lange Nutzungsdauer von Schienenfahrzeugen wird die bereits heute erkennbare Schere im Umweltvergleich zwischen Bahn- und Straßenverkehr künftig noch weiter öffnen [Blüm02].

Moderne Nahverkehrszüge sichern den Kunden dagegen ein hohes Qualitätsniveau zu. Sowohl bei diesel-elektrischem, diesel-mechanischem, diesel-hydraulischem und rein elektrischem Antrieb ist der Motorenlärm für die Fahrgäste kaum zu hören.

Bei Kraftomnibussen können Lärm-Fahrzeugstandards wie folgt gestaltet werden:
  • Alle Neufahrzeuge der Klasse
  • Alle Neufahrzeuge der Klasse >150 kW müssen einen Fahrgeräuschprüfwert von 77 dB (A) einhalten.
  • Alle Fahrzeuge der Fahrzeugflotte sind ausschließlich mit rollwiderstandsarmen und lärmarmen Reifen auszustatten. [Eich05]
Dessen ungeachtet setzen Verkehrsunternehmen nach wie vor Altfahrzeuge eine, deren Fahrgeräusche oberhalb 80 dB (A) liegen. Zur Reduzierung der Lärmbelästigung bei Standzeiten an Endhaltestellen sind Neufahrzeuge mit Erstzulassung ab dem 1. Januar 2004 mit einer Standheizung oder vergleichbaren Heizmöglichkeiten auszurüsten [Walc02].

Bei Straßenbahnen, O-Bussen und Elektrobussen liegt das Lärmniveau deutlich unter dem von dieselgetriebenen Fahrzeugen [VDV07b].

Im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) müssen die Fahrzeuge im Busbetrieb zur Reduktion der Fahrgeräusche grundsätzlich über eine Motorraumkapselung verfügen. Ist dies bauartbedingt nicht möglich, so wird zur Fahrgeräuschdämmung eine Begrenzung auf 80 dB (A) (DIN ISO 362 und DIN ISO 5130) festgelegt [Walc02].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr, Prof. Dr.-Ing. R. König
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Qualitätsindikatoren des ÖPNV (Stand des Wissens: 01.02.2023)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?237320
Literatur
[Blüm02] Blümel, Hermann, Dipl.-Ing. Umweltrelevante Innovation und Dienstleistungsqualität im ÖPNV-Wettbewerb, veröffentlicht in Verkehr und Technik, Ausgabe/Auflage 12/2002, 2002
[Eich05] Eichmann, Volker, Dipl.-Ing., Berschin, Felix, Dr., Bracher, Tilman, Sipl.-Volksw., Winter, Matthias, Dipl.-Ing. Umweltfreundlicher, attraktiver und leistungsfähiger ÖPNV - ein Handbuch, 2005/10
[VDV07b] Müller-Hellmann, Adolf, Prof.Dr.-Ing., Pütz, Ralph, Dipl.-Ing., Freiesleben, Volker, Koch, Alexander, Dipl.-Ing. Linienbus-Verkehrssysteme mit elektrischem Fahrantrieb - Potenzial für eine emissionsfreie Mobilität, Eurailpress, Hamburg, 2007/06, ISBN/ISSN 978-9-7771-0366-2
[Walc02] Walczok, Mike, Dipl.-Geogr., Salm, Ralph, Dipl.-Kfm. Mindeststandards im Busverkehr - Der RMV definiert einheitliche Qualitätsanforderungen, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 12/2002, 2002
Glossar
O2
= Sauerstoff. Im Normzustand ist Sauerstoff ein farbloses, geruchloses und geschmackloses Gas. Es ist sehr reaktiv, fast jedes chemische Element, abgesehen von Edelgasen, reagiert mit Sauerstoff, um Verbindungen zu bilden.
Sauerstoff ist von großer Bedeutung, weil er wesentlich an den Atmungsprozessen der meisten lebenden Zellen und an Verbrennungsprozessen beteiligt ist. Es ist das am häufigsten vorkommende Element der Erdkruste. Die Luft besteht zu fast einem Fünftel (Volumen) aus Sauerstoff. Ungebundener gasförmiger Sauerstoff besteht normalerweise aus einem zweiatomigen Molekül (O2), es gibt ihn aber auch in dreiatomiger Form (O3,) besser bekannt unter dem Begriff Ozon.
ÖV
Der öffentliche Verkehr (ÖV) ist sowohl im Personen-, Güter- sowie Nachrichtenverkehr für jeden Nutzer in einer Volkswirtschaft öffentlich zugänglich. Dazu zählen sowohl die öffentliche Personenbeförderung, der öffentliche Gütertransport als auch die öffentlichen Telekommunikations- und Postdienste. Der ÖV wird dabei von Verkehrsunternehmen nach festgelegten Routen, Preisen und Zeiten durchgeführt. Der ÖV ist somit im Gegensatz zum Individualverkehr (IV) örtlich und zeitlich gebunden.
Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten Multimodalität wird der ÖV zunehmend breiter definiert, indem auch alternative Bedienformen, Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖV gesehen werden.
kW
= Kilowatt. Die SI-Einheit der Leistung. Als Einheitenzeichen wird der Großbuchstabe W verwendet. Die Einheit ist benannt nach James Watt.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?237190

Gedruckt am Montag, 20. Mai 2024 01:53:30