Qualitätsindikatoren für den Fußgängerverkehr
Erstellt am: 12.07.2007 | Stand des Wissens: 16.03.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechperson
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH
Der Fußgängerverkehr wird ähnlich wie der Radverkehr bisher in der Planungspraxis häufig noch den Anforderungen des Motorisierten Individualverkehrs (MIV) untergeordnet. Daher existieren auch nur wenig allgemein anerkannte Kriterien und Indikatoren, die sich mit der Qualität des Fußgängerverkehrs beschäftigen.
Im Gegensatz zum Radverkehr stellt das [HBS01] für den Fußgängerverkehr einen Nachweis zur Verfügung, mit dem bewertet werden kann, ob eine Fußgängerverkehrsanlage die zu erwartende Fußgängerverkehrsstärke mit der gewünschten Qualität abwickeln kann. Allerdings ist das Verfahren nur bei einer hohen Nachfrage im längsgerichteten Fußgängerverkehr anwendbar. Ansonsten soll so geplant werden, dass in Übereinstimmung mit den einschlägigen Entwurfsrichtlinien ausreichende Bewegungsmöglichkeiten für Fußgänger gewährleistet werden. In [FGSV02c] werden Empfehlungen für die Dimensionierung von Fußgängerverkehrsanlagen gegeben. Darüber hinaus sind in [RASt06] die Entwurfsempfehlungen für den Fußgängerverkehr berücksichtigt. Als Hauptziel bei der Planung und dem Entwurf von Stadtstraßen wird die Verträglichkeit der Nutzungsansprüche untereinander und mit den Umfeldnutzungen betrachtet. Im Vergleich zu früheren Planungen werden die Fußgänger heute stärker berücksichtigt. Während früher zunächst ein ausreichend breiter Querschnitt für den MIV angestrebt wurde und Fußgänger- sowie Radverkehrsanlagen im verbleibenden Rest untergebracht werden mussten, wird nach [RASt06] eine "gerechtere" Aufteilung angestrebt. Das Verfahren der "Städtebaulichen Bemessung" wurde eingeführt. Nach diesem werden die Abmesungen der befahrenen Flächen den notwendigen Abmessungen für die Seitenräume gegenübergestellt. Unter befahrenen Flächen werden dabei die Fahrbahn, Sonderfahrstreifen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und Radverkehrsanlagen auf Fahrbahnniveau verstanden (vgl. Abbildung 1) [RASt06].
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Der Anwenderleitfaden [UBA05d] gibt Qualitätsziele, Leitlinien und Indikatoren für den Fußgängerverkehr an, mit denen das Fußgängerverkehrsnetz (vgl. Qualitätsindikatoren von Fußwegenetzen), die Aufenthaltsqualität für Fußgänger im öffentlichen Raum (vgl. Qualitätsindikatoren von Fußwegenetzen sowie Qualitätsindikatoren für die Infrastruktur des Fußgängerverkehrs) als auch das Klima des Fußgängerverkehrs (vgl. Fußgängerverkehrsbetrieb - Qualitätsindikatoren) bewertet werden können.