Familiengerechtes Wohnen in Darmstadt Kranichstein
Erstellt am: 13.04.2007 | Stand des Wissens: 19.07.2019
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky
Der Stadtteil Kranichstein in Darmstadt wurde in mehreren Bauabschnitten im Nord-Osten der Stadt Darmstadt realisiert. In den 1960er Jahren als Stadtteil mit wechselnd Hochhaus- und Einfamilienhausbebauung begonnen, wurde im zweiten Bauabschnitt in den 1970er Jahren (aufgrund von Kritik an den Hochhäusern) eine Mischung aus 3-4 geschossigem Mietwohnungsbau mit Reihen- und Kettenhäusern verwirklicht. Zudem wurde das Gebiet durch die Einrichtung von Kindergärten, Schulen, Ladenlokalen, Betreuungseinrichtungen und sonstigen Dienstleistungen aufgewertet. Ziel war es, den Stadtteil im Sinne einer nachhaltigen Stadtteilentwicklung umzugestalten. Um dies zu erreichen, wurde der Verkauf der Grundstücke, die größtenteils im Besitz der Stadt waren, an ein klares, städtebauliches Konzept gebunden. Im dritten Bauabschnitt, der im Jahr 2002 fertiggestellt wurde, sind durch die Erweiterung der Schule, eine Stadtteilbibliothek, Räume für die Familienbildungsstätte sowie weitere bürgerschaftliche Nutzungen entstanden.
Die Erschließung des Stadtteils erfolgt für den motorisierten Verkehr über Sammel- und Erschließungsstraßen, die in der Regel als Tempo-30-Zonen ausgewiesen wurden. Unterstützt wird dies durch die straßenräumliche Gestaltung mit reduzierten Fahrbahnbreiten sowie Aufpflasterungen an Fußgängerüberwegen und Einmündungen von Wohnstraßen. Die Wohnstraßen selber sind als "Verkehrsberuhigte Bereiche" und "Spielstraßen" ausgewiesen oder als "Fußgängerzonen" vollständig autofrei gestaltet. Zur Verbesserung der Anbindung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) wurde zusätzlich zu den Buslinien im Jahr 2003 eine neue Straßenbahnlinie gebaut, die den Stadtteil mit der Innenstadt verbindet.
Die Erschließung innerhalb des Wohngebiets erfolgt durch ein eigenständiges Fuß- und Radwegenetz. Intensive Begrünung der öffentlichen Straßen und Wege sowie autofreie Zonen sollen die Aufenthaltsqualität erhöhen.
Um Bewegungsräume für Kinder und Jugendliche zu schaffen, wurden öffentliche Plätze gestaltet und bewusst ungestaltete, landschaftliche Freiräume im Gebiet erhalten. Außerdem gibt es Spielplätze, ein Kinder- und Jugendhaus sowie einen Jugendclub.
Um Segregationstendenzen zu vermeiden und die Hochhaussiedlung enger mit den umliegenden Quartieren zu verknüpfen, waren umfangreiche bauliche und städtebauliche Maßnahmen erforderlich. Aufgrund der sozialen Probleme wurde dieser Bereich im Jahr 2000 in das Förderprogramm "Soziale Stadt" aufgenommen. Bei der Erneuerung der Siedlung wurden Lücken im Nahversorgungsbereich geschlossen und das Wohnumfeld aufgewertet. Gleichzeitig wurde ein Vor-Ort-Büro der Stadt Darmstadt zur Förderung der Bewohner eingerichtet und Räume für nachbarschaftliche Nutzungen im Erdgeschoss eines der Hochhäuser geschaffen.
Der Stadtteil Darmstadt-Kranichstein wurde beim deutschen Städtebaupreis 2003 mit besonderer Anerkennung im Rahmen des Sonderpreises "Auch Kindern gehört die Stadt" bedacht [Darmst03].