Mobilität im Jugend- und Erwachsenenalter
Erstellt am: 24.05.2006
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Autoren: | Scholl, Wolfgang Sydow, Hubert |
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Erscheinungsjahr / -datum: | 2002 | |
Verlag / Ort: | Waxmann, Münster | |
Zitiert als: | [ScSy02] | |
Art der Veröffentlichung: | Monographie | |
Sprache: | deutsch | |
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Review
Erstellt am: 05.07.2006 | Stand des Wissens: 05.07.2016
Ansprechperson:
Ziel / Zweck
Methodik und Durchführung
Ergebnisse und Schlussfolgerungen
In der Studie wurden unter anderem Persönlichkeitseigenschaften, individuelle Werthaltungen, Zukunfts- und Berufsorientierungen Jugendlicher und Einstellungen zu Autos sowie Automarken untersucht. Speziell in Bezug auf das Thema Mobilität wurden die folgenden Bereiche untersucht:
Bei der Untersuchung der Wertorientierungen Jugendlicher und deren Wirkung auf die Verkehrsmittelwahl zeigte sich ein Zusammenhang zwischen traditioneller und humanistischer Wertorientierung1 sowie der Verkehrsmittelwahl. Je höher die humanistische Orientierung und je geringer die traditionelle Orientierung, desto eher besteht die Bereitschaft umweltverträgliche Verkehrsmittel zu nutzen [ScSy02, S. 163 ff.].
Bei der Analyse der Verkehrsmittelnutzung der Jugendlichen im Übergang zum Erwachsenenalter zeigt sich, dass im Übergang von 16 auf 17 Jahren das Mitfahren im Auto von großer Bedeutung ist. Ab 18 Jahren kann und wird das eigene Auto häufiger genutzt. Die Verkehrsmittelwahl steht in direkter Verbindung mit dem Wegezweck: Streifzüge durch die Umgebung werden zu Fuß oder mit dem Fahrrad getätigt, der ÖPNV wird häufig für den Schul-, Ausbildungs- und später Arbeitsweg genutzt, zum abendlichen Ausgehen wird häufig die Möglichkeit der Mitfahrt im Auto eines anderen genutzt und das eigene Auto dient an häufigsten dem Einkaufszweck. Die Mobilität wird im Laufe der Zeit insgesamt immer stärker durch das Auto dominiert. Mit Hilfe von integrativen Kausalmodellen wurde weiterhin festgestellt, dass Autofahren nicht direkt einen negativen Effekt auf die ÖPNV-Nutzung hat. Dieser entsteht bereits auf der vorgelagerten Stufe des Autobesitzes, der Besitz eines eigenen Autos verringert die Wahrscheinlichkeit der ÖPNV-Nutzung und erhöht gleichzeitig die Autonutzung [ScSy02, S. 243 ff.].
Auch die Freizeitbeschäftigungen der Jugendlichen, die oft von dem Freundeskreis mitbestimmt werden, haben einen Einfluss auf das Mobilitätsverhalten. Jugendliche, die in der Freizeit sehr aktiv sind, sind in ihrer Verkehrsmittelwahl flexibler und nutzen das Auto etwas seltener als andere Jugendliche. Junge Männer sehen im Gegensatz zu jungen Frauen das Auto häufiger als Zweck, nicht Mittel, der Freizeitgestaltung. Diese Haltung lässt mit steigendem Alter nach [ScSy02, S. 250 ff.].
Die Untersuchung der fahr- und fahrzeugbezogenen Werthaltungen zeigte, "dass der Wunsch nach 'Selbstergänzung'2 durch das Fahrzeug im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen zunimmt" [ScSy02, S. 326 f.]. Die Bedeutung von "Sicherheit/Qualität" 3 nimmt ab, während die Wichtigkeit von "Pragmatik" 4 zunimmt. Dieser Verlauf ist durch entwicklungsspezifische Veränderungen gekennzeichnet. Bei der Relevanz dieser drei Faktoren gibt es deutliche geschlechterspezifische Unterschiede. Interessant ist, dass diese Werthaltungen auch schon vor dem Führerscheinerwerb "hoch intern konsistent" [ScSy02, S. 327] sind.
Die Risikobereitschaft der Jugendlichen ist im Durchschnitt sehr gering. Zwischen dem 18. und 20. Lebensjahr ist ein Anstieg der subjektiven Fahrkompetenz und der sportlichen Fahrweise festzustellen. Das Fahrverhalten weist deutliche geschlechterspezifische Unterschiede auf, die unabhängig von der Fahrleistung sind. Frauen fahren eher ruhig und gelassen, während Männer sich durch risikoreiches und regelwidriges Fahrverhalten auszeichnen. Eine erhöhte Risikobereitschaft steht mit einem erhöhten Unfallrisiko im Zusammenhang. Faktoren für risikobetontes Fahrverhalten sind die Persönlichkeitsmerkmale Dominanzstreben in sozialen Beziehungen, geringerer Selbstwert und höhere emotionale Labilität [ScSy02, S. 381 f.].
Bei der Anlalyse der umweltbezogenen Einstellungen von Jugendlichen wurden geschlechterspezifische Unterschiede festgestellt. Weibliche Jugendliche empfinden die Umweltproblematik als bedrohlicher, für sie sollte der Einzelne mehr Verantwortung übernehmen und sie würden auch selbst auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umsteigen. Jugendliche, die im ländlichen Raum leben, erleben Umweltprobleme als weniger bedrohlich als Jugendliche aus der Stadt, außerdem sind sie weniger dazu bereit, auf das Auto zu verzichten. Der Grund dafür könnte sein, dass sie deutlich weniger eigene Erfahrungen mit verkehrsbedingten Umweltbelastungen machen. Allerdings ist ein direkter Zusammenhang zwischen Umweltbewusstsein und Verkehrsmittelwahl nicht festzustellen [ScSy02, S. 465 f.].
1Der Faktor "traditionelle Orientierung" setzt sich zusammen aus Pflicht/Akzeptanz, Statusstreben, starker Staat/politische Macht und Leistung im Beruf, während sich der Faktor "humanistische Orientierung aus Selbstentfaltung/Engagement, humanistisches Menschenbild und pro-sozialen Werten zusammensetzt [ScSy02, S. 151 f.].
2Dieser Faktor setzt sich zusammen aus den Einzelkomponenten Identität, Imponieren, Fahrspaß, Leistung und Cocooning (private Rückzugsmöglichkeit).
3Dieser Faktor besteht aus Sicherheit, Service/Qualität, Komfort und konservativ/gediegen.
4Die Aspekte "kostengünstig" und "multifunktional" bestimmen diesen Faktor [ScSy02, S. 299].
- Analyse alters- und zeitbedingter Veränderungen im Mobilitäts- und Freizeitverhalten Jugendlicher
- Differenzierung individueller Veränderungen und gesellschaftlicher Einflüsse
Methodik und Durchführung
- Befragung
- fünfjährige Längsschnittstudie (1995 - 1999) mit ca. 360 Jugendlichen vom 16. bis zum 20. Lebensjahr
- ca. 100 Erwachsene als Vergleichsstichprobe und ergänzende Querschnitte im ersten und letzen Erhebungsjahr
Ergebnisse und Schlussfolgerungen
In der Studie wurden unter anderem Persönlichkeitseigenschaften, individuelle Werthaltungen, Zukunfts- und Berufsorientierungen Jugendlicher und Einstellungen zu Autos sowie Automarken untersucht. Speziell in Bezug auf das Thema Mobilität wurden die folgenden Bereiche untersucht:
Bei der Untersuchung der Wertorientierungen Jugendlicher und deren Wirkung auf die Verkehrsmittelwahl zeigte sich ein Zusammenhang zwischen traditioneller und humanistischer Wertorientierung1 sowie der Verkehrsmittelwahl. Je höher die humanistische Orientierung und je geringer die traditionelle Orientierung, desto eher besteht die Bereitschaft umweltverträgliche Verkehrsmittel zu nutzen [ScSy02, S. 163 ff.].
Bei der Analyse der Verkehrsmittelnutzung der Jugendlichen im Übergang zum Erwachsenenalter zeigt sich, dass im Übergang von 16 auf 17 Jahren das Mitfahren im Auto von großer Bedeutung ist. Ab 18 Jahren kann und wird das eigene Auto häufiger genutzt. Die Verkehrsmittelwahl steht in direkter Verbindung mit dem Wegezweck: Streifzüge durch die Umgebung werden zu Fuß oder mit dem Fahrrad getätigt, der ÖPNV wird häufig für den Schul-, Ausbildungs- und später Arbeitsweg genutzt, zum abendlichen Ausgehen wird häufig die Möglichkeit der Mitfahrt im Auto eines anderen genutzt und das eigene Auto dient an häufigsten dem Einkaufszweck. Die Mobilität wird im Laufe der Zeit insgesamt immer stärker durch das Auto dominiert. Mit Hilfe von integrativen Kausalmodellen wurde weiterhin festgestellt, dass Autofahren nicht direkt einen negativen Effekt auf die ÖPNV-Nutzung hat. Dieser entsteht bereits auf der vorgelagerten Stufe des Autobesitzes, der Besitz eines eigenen Autos verringert die Wahrscheinlichkeit der ÖPNV-Nutzung und erhöht gleichzeitig die Autonutzung [ScSy02, S. 243 ff.].
Auch die Freizeitbeschäftigungen der Jugendlichen, die oft von dem Freundeskreis mitbestimmt werden, haben einen Einfluss auf das Mobilitätsverhalten. Jugendliche, die in der Freizeit sehr aktiv sind, sind in ihrer Verkehrsmittelwahl flexibler und nutzen das Auto etwas seltener als andere Jugendliche. Junge Männer sehen im Gegensatz zu jungen Frauen das Auto häufiger als Zweck, nicht Mittel, der Freizeitgestaltung. Diese Haltung lässt mit steigendem Alter nach [ScSy02, S. 250 ff.].
Die Untersuchung der fahr- und fahrzeugbezogenen Werthaltungen zeigte, "dass der Wunsch nach 'Selbstergänzung'2 durch das Fahrzeug im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen zunimmt" [ScSy02, S. 326 f.]. Die Bedeutung von "Sicherheit/Qualität" 3 nimmt ab, während die Wichtigkeit von "Pragmatik" 4 zunimmt. Dieser Verlauf ist durch entwicklungsspezifische Veränderungen gekennzeichnet. Bei der Relevanz dieser drei Faktoren gibt es deutliche geschlechterspezifische Unterschiede. Interessant ist, dass diese Werthaltungen auch schon vor dem Führerscheinerwerb "hoch intern konsistent" [ScSy02, S. 327] sind.
Die Risikobereitschaft der Jugendlichen ist im Durchschnitt sehr gering. Zwischen dem 18. und 20. Lebensjahr ist ein Anstieg der subjektiven Fahrkompetenz und der sportlichen Fahrweise festzustellen. Das Fahrverhalten weist deutliche geschlechterspezifische Unterschiede auf, die unabhängig von der Fahrleistung sind. Frauen fahren eher ruhig und gelassen, während Männer sich durch risikoreiches und regelwidriges Fahrverhalten auszeichnen. Eine erhöhte Risikobereitschaft steht mit einem erhöhten Unfallrisiko im Zusammenhang. Faktoren für risikobetontes Fahrverhalten sind die Persönlichkeitsmerkmale Dominanzstreben in sozialen Beziehungen, geringerer Selbstwert und höhere emotionale Labilität [ScSy02, S. 381 f.].
Bei der Anlalyse der umweltbezogenen Einstellungen von Jugendlichen wurden geschlechterspezifische Unterschiede festgestellt. Weibliche Jugendliche empfinden die Umweltproblematik als bedrohlicher, für sie sollte der Einzelne mehr Verantwortung übernehmen und sie würden auch selbst auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umsteigen. Jugendliche, die im ländlichen Raum leben, erleben Umweltprobleme als weniger bedrohlich als Jugendliche aus der Stadt, außerdem sind sie weniger dazu bereit, auf das Auto zu verzichten. Der Grund dafür könnte sein, dass sie deutlich weniger eigene Erfahrungen mit verkehrsbedingten Umweltbelastungen machen. Allerdings ist ein direkter Zusammenhang zwischen Umweltbewusstsein und Verkehrsmittelwahl nicht festzustellen [ScSy02, S. 465 f.].
1Der Faktor "traditionelle Orientierung" setzt sich zusammen aus Pflicht/Akzeptanz, Statusstreben, starker Staat/politische Macht und Leistung im Beruf, während sich der Faktor "humanistische Orientierung aus Selbstentfaltung/Engagement, humanistisches Menschenbild und pro-sozialen Werten zusammensetzt [ScSy02, S. 151 f.].
2Dieser Faktor setzt sich zusammen aus den Einzelkomponenten Identität, Imponieren, Fahrspaß, Leistung und Cocooning (private Rückzugsmöglichkeit).
3Dieser Faktor besteht aus Sicherheit, Service/Qualität, Komfort und konservativ/gediegen.
4Die Aspekte "kostengünstig" und "multifunktional" bestimmen diesen Faktor [ScSy02, S. 299].