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Quellen des Luftverkehrslärms

Erstellt am: 09.11.2002 | Stand des Wissens: 13.07.2023
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.

Die Fluglärmproblematik entsteht hauptsächlich durch die Schallemissionen von Flugzeugen während Start, Landung und Überflug. Für manche Anwohner kommen durch Rollbewegungen, Triebwerksprobeläufe oder bodengebundenen Flughafenverkehr verursachte Lärmemissionen hinzu. Schallemissionen, die während des Fluges entstehen, werden überwiegend durch aerodynamische Effekte und Triebwerksemissionen verursacht - je nach Start und Landung in unterschiedlicher prozentualer Verteilung. [Schm19] Wesentliche Lärmquellen am Flugzeug für den Start und die Landung sind in der Abbildung 1 dargestellt.
laermquellen flugzeug.jpgAbbildung 1: Lärmquellen am Flugzeug bei Start und Landung [BDL23a] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Im Nahbereich von Flughäfen erfordern die Geräuschemissionen eine besondere Beachtung. Hier fliegen die Flugzeuge zum einen in sehr geringen Höhen , zum anderen ist die aerodynamische Konfiguration durch die bei der Landung ausgefahrenen Landeklappen sowie Fahrwerke im Hinblick auf die Lärmentwicklung besonders ungünstig. Zudem ist von den Flugzeugtriebwerken insbesondere beim Start eine höhere Leistung zu erbringen, was in einem gesteigerten Geräuschniveau resultiert. Die dominierenden Flugzeuglärmquellen sind für den Start - überwiegend Strahl- und Fanlärm und bei der Landung - Fan- und Rumpflärm Es gibt somit keinen einzeln Hauptverursacher für die Lärmemissionen, da sich die Zusammensetzung des Lärms je nach Phase des Flugzeuges ändert. Insgesamt dominieren die Gesamtlärmemisionen während der Landung gegenüber dem Start [Schm19].
Abb. 1: Lärmquellenverteilung für den Start- und Landevorgang eines Flugzeuges [ONERA03, 2003] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Die Lärmemissionen von Verkehrsflugzeugen im Reiseflug sind aufgrund der großen Flughöhen von mehreren Kilometern und der damit weiten Entfernung von der Bevölkerung in der Regel unkritisch. Ausnahme bilden
  • der Überschallverkehr, der im zivilen Bereich durch Gesetz [LuftVO §11a] verboten ist,
  • der militärische Luftverkehr, insbesondere in Tieffluggebieten,
  • die Allgemeine Luftfahrt, deren Flughöhen teilweise deutlich niedriger sind.
Das Lärmproblem ist nicht auf die großen Flughäfen mit Strahlverkehrsflugzeugen beschränkt. Die zunehmende Lärmsensibilität hat dazu geführt, dass Anwohner in unmittelbarer Nähe von Hubschrauberlandeplätzen zunehmend über die Lärmbelästigung durch Drehflügler klagen.
Die Lärmentwicklung bei Hubschraubern stammt von der schallnahen Strömungsgeschwindigkeit des vorlaufenden Rotorblatts. Zudem ergibt sich durch die Verwirbelung der Blattnachlaufströmung (BWI) im Sink- und Horizontalflug eine Geräuschentwicklung. Eine niedrige Flughöhe des Hubschraubers beim Anflug verstärkt die Lärmbelästigung
Die Forschungen des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des französischen Office national détudes et de recherches aérospatiales (ONERA) dienen zum besseren Verständnis der Lärmentstehungsphänomene. Ziel ist, die numerischen Vorhersagemodelle zu verbessern sowie leisere Rotorentwicklungen und/oder lärmmindernde Flugverfahren entwickeln zu können. Mit sogenannten Lärmteppichen oder noise footprints lassen sich die Lärmemissionen von Flugzeugen bei Start und Landung darstellen. Mit diesen Modellen lässt sich unter anderem der technische Fortschritt gut veranschaulichen. [StCo03]
Ansprechpartner
IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Emissionen im Luftverkehr (Stand des Wissens: 14.07.2023)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?20489
Literatur
[BDL23a] Lärmquellen, 2023/01
[ONERA03] Batard, H. Aircraft noise reduction: AIRBUS industrial needs in terms of new materials for nacelle liners, 2003/01/16
[Schm19] Birgit Schmidt Die Kosten des Fluglärms - Preisminderungen von Immobilien und Gesundheitskosten im Umfeld des Wiener Flughafens, 2019
[Smit89] Smith, Michael J. T. Aircraft Noise, Cambridge University Press / Cambridge (UK), 1989, ISBN/ISSN ISBN 0-521-33186-2
[StCo03] Rüdiger Sterzenbach, Roland Conrady Luftverkehr - Betriebswirtschaftliches Lehr- und Handbuch, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, 2003, ISBN/ISSN ISBN 3-486-27419-8
Weiterführende Literatur
[IsSc00] Isermann, Ullrich, Dr. rer. nat., Schmid, Rainer, Dr. rer. nat. Bewertung und Berechnung von Fluglärm , DLR Bibliotheks- und Informationswesen 51170 Köln, 2000/06/21, ISBN/ISSN ISSN 1434-8454
[Ruij93] Ruijgrok, Gerrit J. J. Elements of Aviation Acoustics, Delft University Press / Delft (NL), 1993, ISBN/ISSN ISBN: 90-6275-899-1
[LuftVO] Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?18947

Gedruckt am Montag, 22. April 2024 12:24:05