Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Gefahren für den Luftverkehr durch äußere Eingriffe

Erstellt am: 03.02.2005 | Stand des Wissens: 11.11.2016
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Immer wieder kommt es durch unberechtigte Eingriffe in die Luftfahrt zu schweren Unglücken, bei denen der Verlust des Luftfahrzeuges und der Tod von Insassen zu beklagen sind.
Abbildung 1: Zum Jahr 2000 war eine Zunahme der Übergriffe und Angriffe auf den Zivilluftverkehr zu verzeichnen. Quelle: [FAA01e] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA veröffentlicht alljährlich unter der Bezeichnung Criminal Acts Against Aviation einen Fünf-Jahresbericht zur Entwicklung der Sicherheitssituation im Luftverkehr. Seit 1986 erfasst dieses Werk die weltweit vorgefallenen Zwischenfälle der verschiedenen Kategorien von Sicherheitsverletzungen (security), die im Zusammenhang mit der Luftfahrt stehen. Die Veröffentlichungen stehen aber nur bis zum Jahr 2001 der Öffentlichkeit zur Verfügung und über die Fortführung der Publikation ist nichts bekannt. Der Bericht erfasst die verschiedenen Formen des unrechtmäßigen Eingriffs bzw. kriminelle Handlungen im Bereich der Zivilluftfahrt durch die Zuordnung in die Kategorien Flugzeugentführung, Bombenanschläge und Beschuss von Luftfahrzeugen, Angriffe auf Flughäfen aber auch auf Luftfahrteinrichtungen außerhalb von Flughafenanlagen.
Abbildung 2: Zahl der Sicherheitsvorfälle im Luftverkehr des Jahres 2000 nach Kategorien. Quelle: [FAA01e] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Entführung
Insbesondere die Öffentlichkeitswirksamkeit steht bei der Entführung von Luftfahrzeugen mit Passagieren meist im Vordergrund. Durch die Androhung der Tötung von Passagieren oder der Zerstörung eines Luftfahrzeuges durch Explosivstoffe wird den Forderungen Nachdruck verliehen. Im Vordergrund stehen dabei die Freipressung von Gefangenen oder eine Lösegeldforderung, aber auch die Flucht beziehungsweise Ausreise in ein anderes Land.
129625_LFZ-Entfuehrungen.PNG
Abbildung 3: Anzahl der Luftfahrzeugentführungen und den damit einhergehenden tödlich verletzten Personen von 1992 -2016 [ASN13]

Externe Gefahren
Als externe Gefahren steht im Luftverkehr neben der möglichen technischen Sabotage vor allem die Verwendung von Bomben zur Zerstörung von Luftfahrzeugen im Vordergrund. An Bord von Luftfahrzeugen führt dies in vielen Fällen zum Absturz mit Todesfolge für die Insassen. Ebenso gibt es Angriffe auf Infrastruktureinrichtungen der Luftfahrt (Flughäfen, Navigationsanlagen) oder auf Reisebüros von Luftfahrtgesellschaften, die mehrheitlich politisch motiviert sind.

In vergleichbarer Logik sind die meisten der versuchten Abschüsse von Luftfahrzeugen zu sehen, die im zivilen Luftverkehr weiterhin sehr selten sind. Allerdings kam es in der Geschichte der Zivilluftfahrt auch immer wieder zu tragischen Zwischenfällen, bei denen Passagierflugzeuge in Folge einer Verwechslung abgeschossen wurden.

Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit den Luftverkehr dadurch zu gefährden oder zu behindern, indem die Luftverkehrsinfrastruktur einer Störung ausgesetzt wird. Bisher kamen derartige Versuche niemals zielgerichtet in signifikantem Umfang zur Anwendung. Wie Untersuchungen ergeben haben, ist es jedoch denkbar und möglich, die Navigationsinfrastruktur, insbesondere die Satellitennavigation zu stören. (vgl. Syntheseberichte "Mutwillige Störung von Satellitennavigationssignalen" und "Rückfallsysteme für künftige Satellitennavigationssysteme" in der Wissenslandkarte "Satellitennavigation").

Vorsätzlich herbeigeführter Absturz
Die Verwendung des Luftfahrzeuges zum Selbstmord stand in wenigen Einzelfällen der Zivilluftfahrt im Vordergrund. Insbesondere die Festlegung dieses Grundes gestaltet sich in Untersuchungen meistens als äußerst schwierig. Weiteres Gefahrenpotential im Hinblick auf die vorsätzliche Herbeiführung eines Unglücks stellen die zunehmenden Fälle durch Unbändiges Passagierverhalten (Air Rage) dar. Vorfälle in den Cockpits von Passagiermaschinen durch Eingriff in die Flugsteuerung haben bereits Luftfahrzeuge in sehr bedrohliche Situationen gebracht.

Nur in seltensten Einzelfällen waren Luftfahrzeuge vor dem 11. September 2001 zu einem Angriff verwendet worden. Die Terrorangriffe des 11. Septembers haben den Gefahren der Zivilluftfahrt durch unrechtmäßigen Eingriff eine neue Dimension verliehen, die weitreichende sicherheitspolitische und versicherungstechnische Folgen hatte, die den Luftverkehr bis heute erheblich belasten.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Maßnahmen zur Erhöhung der Luftsicherheit (Security) (Stand des Wissens: 15.12.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?132104
Literatur
[FAA01e] o.A. Criminal Acts Against Aviation 2001, 2001/06
Weiterführende Literatur
[ASN13] ASN - Aviation Safety Network (Hrsg.) Statistik der ASN - Aviation Safety Network der Flight Safety Foundation, 2013
Glossar
FAA Die Federal Aviation Administration (FAA) ist die Bundesluftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten von Nordamerika (USA).

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?129625

Gedruckt am Montag, 22. Juli 2024 19:10:36